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30.08.2007 
Kopftuch-Diskussion in der Türkei

Frau Gül bleibt zu Hause

Am Ende kam es zu der Lösung, die viele schon vermutet hatten: Bei der Militärparade der Türkei zum Gedenken an den Unabhängigkeitskrieg kam der neue Staatspräsidenten Abdullah Gül allein. Seine Gattin Hayrünnisa glänzte durch Abwesenheit. Damit ist die Kopftuch-Diskussion allerdings noch lange nicht ausgestanden.

Viel Lärm um ein Stück Stoff: Das Kopftuch von Präsidentengattin Gül erhitzt die Gemüter in der Türkei. Foto: apLupe

Viel Lärm um ein Stück Stoff: Das Kopftuch von Präsidentengattin Gül erhitzt die Gemüter in der Türkei. Foto: ap

HB ISTANBUL. Der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit, der vor der Wahl des neuen Staatspräsidenten Abdullah Gül vor „Zentren des Bösen“ warnte, hat am Donnerstag gemeinsam mit dem neuen Staatschef die Militärparade abgenommen. Güls Frau Hayrünnisa war bei der Zeremonie allerdings nicht anwesend. Sie trägt in der Öffentlichkeit stets ein Kopftuch, die Hijab, und hatte damit eine hitzige Debatte ausgelöst.

Bei Veranstaltungen der Streitkräfte ist das Tragen eines Kopftuches in der Türkei ebenso verboten wie in Schulen oder Universitäten. Die Streitkräfte, die sich als Verteidiger des laizistischen Erbe Atatürks sehen, hatten bereits im Vorfeld der Parade klar gemacht, dass sie auch für den neuen Präsidenten keine Ausnahme machen wollen. Bei allen Staatsempfängen war der Türban bisher tabu. Dem früheren Präsidenten Ahmet Necdet Sezer kam keine Frau mit Kopftuch ins Haus. Bedeckte Politikergattinnen wurden nicht nach Cankaya eingeladen, wie der Präsidentenpalast im Volksmund genannt wird.

Doch Frau Gül will auf ihre Kopfbedeckung partout nicht verzichten. Als ihr 1998 wegen ihrer Kopfbedeckung die Einschreibung an der Universität Ankara verwehrt wurde, klagte sie beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen das Kopftuchverbot.

Der am Dienstag vereidigte Gül gehört der religiös-konservativen AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an. Die Militärführung befürchtet durch die starke Machtstellung der AKP eine Stärkung des Islams und eine Aufweichung der Prinzipien der Republik. Abdullah Gül verteidigt das Kopftuch seiner Frau stets als deren „persönliche Entscheidung“.

Die Diskussion um die Seidentücher der Präsidetengattin wird wohl weitergehen. Das weltliche Establishment und das Militär werfen Gül vor, eine schleichende Islamisierung anzustreben. Noch am Tag vor Güls Wahl warnte der türkische Generalstabschef vor „Zentren des Bösen“, die systematisch versuchten, das säkulare System der Türkei zu schwächen.

Gül kündigte indes an, als Präsident die demokratischen Reformen in seinem Land voranzutreiben und den EU-Beitritt seines Landes zu forcieren, für den er sich schon als Außenminister in den vergangenen vier Jahren stark engagierte. Nach seiner Vereidigung bemühte er sich zudem, die Wogen zu glätten: Er wolle Präsident aller Türken werden und werde die säkularen Grundsätze der Republik achten, zu denen auch die Religionsfreiheit gehöre, sagte er.

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