Frauen und Kinder getötet
Serbe Lukic stellt sich dem Uno-Tribunal in Den Haag

Der vom UN-Tribunal in Den Haag als Kriegsverbrecher angeklagte Serbe Sredoje Lukic hat sich gestellt. Das bestätigte das Gericht am Mittwoch in Den Haag. Er sei aus seinem jahrelangen Versteck in Russland nach Sarajevo gereist und werde in den nächsten Tagen nach Scheveningen gebracht, hieß es in Sarajevo.

HB DEN HAAG. Der 51-Jährige ist wegen Kriegsverbrechen in der ostbosnischen Stadt Visegrad während des Bürgerkrieges 1992-1995 angeklagt. Der in Auslieferungshaft sitzende Lukic soll gemeinsam mit seinem Cousin Milan am 14. Juni 1992 rund 65 muslimische Frauen, Kinder und alte Männer in einem Haus in Visegrad eingesperrt und das Gebäude dann in Brand gesteckt haben. Die aus dem brennenden Haus Flüchtenden seien dann erschossen worden. In einem zweiten Fall sollen laut Anklage auf eben diese Weise weitere 70 Menschen ermordet worden sein. Milan Lukic war vor einem Monat in Argentinien verhaftet worden und wartet auf seine Auslieferung an das Uno-Kriegsverbrechertribunal.

Nachdem Ende August der bosnische Serbe Dragan Zelenovic in Russland verhaftet worden war, sucht das Uno-Tribunal noch sechs Angeklagte. Neben dem untergetauchten kroatischen General Ante Gotovina, dessen noch ausstehende Verhaftung die weitere Annäherung Kroatiens an die EU blockiert, stehen weitere fünf Serben auf dieser Liste. Die beiden prominentesten mutmaßlichen Kriegsverbrecher sind der frühere Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein Militärchef Ratko Mladic.

Vor dem neuen Gericht für Kriegsverbrechen in Sarajevo begann unterdessen am Mittwoch der erste Prozess. Der angeklagte bosnische Serbe Boban Simsic wird beschuldigt, zwischen April und Juni 1992 als ehemaliger Gefängniswärter im ostbosnischen Visegrad Verbrechen an gefangenen Muslimen begangen zu haben. Simsic hatte sich im Januar freiwillig der Justiz gestellt. Das Gericht wurde im März mit internationaler Hilfe eingerichtet. Ihm könnten später auch vom Uno- Tribunal einzelne schwere Fälle überlassen werden.

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