Frauenquote in Norwegen: Frauen, macht!

Frauenquote in Norwegen
Frauen, macht!

Deutschland ringt sich zur Frauenquote durch, Norwegen hat sie längst. Nach neun Jahren hat sie die Gleichberechtigung im Beruf zwischen Mann und Frau vorangebracht. Dennoch gibt es bis heute ein Problem.
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StockholmSo ganz angenehm dürfte die Lektüre einer Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) für viele Norweger nicht sein. Das Land, das vielen Befürwortern der Frauenquote als Musterbeispiel gilt, landet auf einem wenig ruhmvollen 50. Platz, wenn es um die Präsenz von Frauen in Führungspositionen geht. Weit abgeschlagen, hinter den Spitzenreitern Jamaica, Kolumbien und den Philippinen. In Norwegen, so hat die ILO herausgefunden, sind nur 32 Prozent der Führungspositionen in privaten Unternehmen und im öffentlichen Sektor von Frauen besetzt.

Vor der Entscheidung des Bundestages über die Einführung einer Frauenquote ist immer wieder das Beispiel Norwegen genannt worden. Tatsächlich führte das kleine Land die Frauenquote bereits 2006 ein. Die damalige Regierung hatte zuvor auf Freiwilligkeit gesetzt, den damaligen Anteil von Frauen in Aufsichtsräten von gerade einmal sieben Prozent zu erhöhen.

Doch als klar war, dass die Unternehmen von sich aus nicht aktiv würden, griff der Gesetzgeber ein. Und zwar drastisch: 40 Prozent der Aufsichtsratsmandate in einem Unternehmen müssten von Frauen besetzt werden, ordnete er an. Bei Nichteinhaltung drohte der zuständige Minister sogar mit dem Entzug der Börsenzulassung.

Vor der Einführung der Frauenquote in Norwegen hatten Wirtschaftsverbände und Politik jahrelang und zum Teil heftig über das Für und Wider einer solchen Regel diskutiert. Die Befürworter einer Quotierung sahen mit einem höheren Frauenanteil in den Aufsichtsräten ein ganz anderes, ein besseres Unternehmensklima. Die Quotengegner malten das Schreckszenario einer Massenflucht ausländischer Konzerne von der Osloer Börse an die Wand.

Nun sind alle klüger: Marit Hoel vom Osloer Zentrums für Unternehmensvielfalt hat die Einführung der Frauenquote in ihrem Land wissenschaftlich begleitet und kann heute feststellen, dass beide Seiten nicht Recht hatten. „Es hat gut funktioniert“, sagt sie. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass die Zahl der ausländischen Unternehmen an der Börse seit Einführung der Quote sogar gestiegen ist.

Heute, fast zehn Jahre später, ist die Frauenquote in Norwegen kein großes Thema mehr. Sie ist umgesetzt und nach zum Teil hitzigen Diskussionen haben alle Partner eingesehen, dass die stärkere Präsenz von Frauen in Aufsichtsräten weder zu einer Massenflucht ausländischer Konzerne von der Börse in Oslo noch zu anderen Nachteilen für die Unternehmen geführt hat. Im Gegenteil: Wie die Leiterin des Zentrums für Unternehmensvielfalt in Oslo, Marit Hoel weiß, hat sich das Betriebsklima deutlich verbessert. Außerdem sei das Durchschnittsalter in den Verwaltungsräten gesunken. Dennoch gibt es bis heute ein Problem bei der Umsetzung der Direktive.

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  • Wenn ich die Glanzleistungen der PolitikerInnen in unserem Lande so betrachte, wird mir ganz schlecht bei dem Gedanken an noch mehr Macht für Frauen!

  • Wenn ich die Glanzleistungen der PolitikerInnen in unserem Lande so betrachte, wird mir ganz schlecht bei dem Gedanken an noch mehr Macht für Frauen!

  • Hier wird GleichBERECHTIGUNG mit GleichHEIT verwechselt. Das gleiche Recht auf Ausübung einer Tätigkeit zu haben ist nicht das selbe, wie die erzwungene Herstellung bestimmter Quoten.

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