Frederik Willem de Klerk zur Flüchtlingskrise
Friedensnobelpreisträger mahnt Deutschland zu mehr Kontrolle

Frederik Willem de Klerk, ehemaliger Präsident Südafrikas, lobt Deutschlands Politik der offenen Arme – hält sie aber auch für gefährlich. „Es ist Zeit für mehr Kontrolle“, sagte der Friedensnobelpreisträger.

BarcelonaDer ehemalige südafrikanische Regierungschef Frederik Willem de Klerk hat vor den Folgen einer unkontrollierten Flüchtlingspolitik in Europa gewarnt. „Ich habe Sympathie für das Mitgefühl von Angela Merkel“, sagte er bei dem Treffen der Friedensnobelpreisträger, das dieses Wochenende in Barcelona stattfindet. „Aber es ist ein Risiko, wenn man zu vielen Leute erlaubt, auf einmal zu kommen, ohne dass sie eine Arbeit haben.“

Die Erfahrungen in Südafrika hätten das gezeigt. Rund zehn Prozent der Bevölkerung dort seien illegale Einwanderer. Sie arbeiteten für Löhne, die unter dem Mindesteinkommen liegen und die Arbeitgeber nutzen das aus. Die lokale Bevölkerung sorge sich um ihre Jobs und reagiere teilweise mit Ausländerfeindlichkeit.

„Aber ich kritisiere überhaupt nicht die anfängliche Reaktion von Merkel, menschliches Mitgefühl zu zeigen und die Türen zu öffnen“, sagte der Südafrikaner, der in seiner Regierungszeit zusammen mit Nelson Mandela die Apartheid in Südafrika abschaffte und dafür 1993 mit Mandela zusammen den Friedensnobelpreis erhielt. Jetzt sei es aber an der Zeit für eine bessere Regulierung. Schließlich sei nichts Verkehrtes daran, zu gucken, was der heimische Arbeitsmarkt brauche und wie viele Leute ein Land aufnehmen könne.

Die Flüchtlingskrise bringe die Debatte um eine Neuordnung der europäischen Union an einen entscheidenden Punkt, so de Klerk. Gefragt sei jetzt zwar Kooperation, langfristig aber eine Reform der Gemeinschaft, in der zu viel Macht in den Händen von Brüssel liege. „Wenn Europa nicht aufhört zu versuchen, Europa zu einem föderalen System zu machen, in dem jedes Mitgliedsland eine Provinz im Land Europa wird, beinhaltet das Risiko, dass Europa auseinanderbricht.“

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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