Fredrik Reinfeldt
Niederlage für den Sieger

Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt fährt mit den Konservativen einen historischen Wahlerfolg ein. Doch das Regieren wird schwerer: Die Mehrheit der Vier-Parteien-Koalition ist futsch - und die rechtsradikalen Schwedendemokraten sitzen nun ebenfalls im Parlament.
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STOCKHOLM. Eigentlich hätte er einer der glücklichsten Menschen in Schweden sein können. Doch die immer ein wenig traurig dreinschauenden Augen sahen gestern noch ein bisschen trauriger als sonst aus. Fredrik Reinfeldt hatte zwar Historisches vollbracht: Der 45-jährige konservative Ministerpräsident konnte bei den Parlamentswahlen am Sonntag zum zweiten Mal in Folge die in Schweden über fast 100 Jahre dominierenden Sozialdemokraten schlagen. Doch der Preis war hoch: Reinfeldt und seine Vier-Parteien-Koalition verloren die eigene Mehrheit. Noch schlimmer für ihn: Die rechtsradikale, aus der Neonaziszene entstandene Partei Schwedendemokraten zog mit 5,7 Prozent in das Parlament ein und ist nun Zünglein an der Waage.

Leichter wird das Regieren in Zukunft nicht. Denn die rot-rot-grüne Opposition und die Schwedendemokraten haben zusammen drei Sitze mehr im Parlament als das bürgerliche Lager. Mit Minderheitsregierungen hat Schweden kein Problem. Die Sozialdemokraten, die das schlechteste Ergebnis seit fast 100 Jahren erzielt haben, regierten nahezu immer ohne eigene Mehrheit. Doch damals saß noch keine ausländerfeindliche Partei im Parlament, mit der niemand zusammenarbeiten will. Auch Reinfeldt nicht.

„Wir werden mit den Grünen reden“, erklärte er gestern. Seine ausgestreckte Hand wurde zunächst zurückgewiesen. Allerdings gibt es innerhalb der schwedischen Grünen viele Mitglieder, die sich sehr wohl eine Zusammenarbeit mit dem bürgerlichen Lager vorstellen können.

Für den dreifachen Vater Reinfeldt ist das Wahlergebnis ein persönlicher Triumph. Nie zuvor erreichten seine Konservativen die 30-Prozent-Marke. Dabei kam ihm die globale Finanzkrise zu Hilfe. Denn mit seiner Koalition konnte sich Reinfeldt, der früher als Steuerexperte beim Finanzamt in Stockholm gearbeitet hat, als erfolgreicher Krisenmanager beweisen. Kaum ein anderes Land in Europa ist so glimpflich durch die Finanzkrise gekommen, kaum ein anderes Land kann heute ein fast fünfprozentiges Wachstum aufweisen.

Als der Mann mit dem rundlichen, freundlichen Gesicht, dem Eintagsbart und dem weitestgehend kahl geschorenen Kopf 2003 den Vorsitz der konservativen Partei übernahm, leitete er auch gegen innerparteilichen Widerstand eine Rundumerneuerung ein. Er umgab sich mit einem jungen, dynamischen Team, erkannte schnell, dass in einem Land, in dem jeder dritte Bürger über Kranken-, Arbeitslosen- und Vorruhestandsgeld oder einen Job im öffentlichen Dienst direkt oder indirekt von Steuern abhängig ist, allein mit Steuersenkungen kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Reinfeldt kreierte eine Partei der Mitte, die „neue moderate Sammlungspartei“ nach dem Vorbild von New Labour. Seine Bewährungsprobe steht ihm nun bevor: Jetzt muss er beweisen, dass er nicht nur globale Krisen abwettern, sondern auch parlamentarische Stürme von ganz rechts umschiffen kann.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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