Freihandel
EU und Mercosur peilen Handelsabkommen an

In der globalen Krise wächst die Bedeutung der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur. Darum strebt nun auch die Europäische Union ein Handelsabkommen mit den Südamerikanern bis 2010 an. VW-Regionalchef Viktor Klima rechnet sich bereits gute Chancen für deutsche Produkte aus.
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BUENOS AIRES. Die Aussichten für ein Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur sind derzeit so gut wie schon lange nicht mehr. Heute wollen die EU und Vertreter der Mercosur-Mitglieder Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay in Lissabon ausloten, ob schon im ersten Halbjahr 2010 ein Vertrag unterzeichnet werden kann. „Die Stimmung war selten so günstig für eine Einigung zwischen Europa und dem Mercosur“, sagte Viktor Klima, Österreichs Ex-Bundeskanzler und Südamerika-Chef von Volkswagen in Buenos Aires.

Seit der Unterzeichnung eines Assoziationsabkommens 1995 verhandeln beide Seiten über eine Vertiefung ihrer Wirtschaftsbeziehungen. Doch die Wirtschaftslobbys verhinderten bisher eine Einigung: Europas Bauern stemmen sich gegen einen Zollabbau für Agrarprodukte aus Südamerika. In den Mercosur-Staaten sind es dagegen vor allem die Industrie und der Dienstleistungssektor, die sich hinter Zollschranken und Zugangsbeschränkungen verstecken.

Doch die Weltwirtschaftskrise und die wachsende Bedeutung Lateinamerikas und insbesondere Brasiliens für die globale Ökonomie führen zu einem Umdenken. So wird Südamerikas Wirtschaft dieses Jahr zwar stagnieren, 2010 aber bereits wieder um vier Prozent wachsen. Ex-Politiker Klima, seit Jahren ein engagierter Befürworter einer vertieften Integration zwischen der EU und dem Mercosur, hält es deshalb für möglich, dass die Verhandlungspartner im nächsten Jahr Nägel mit Köpfen machen. Brasilien unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sei sehr an einer Union mit Europa interessiert. „Auch Argentinien, welches den Mercosur-Vorsitz übernimmt, möchte außenpolitische Erfolge vorweisen. Außerdem ist die Stimmung in Südamerika derzeit europafreundlich“, so Klima. Der zunehmende Protektionismus der USA bei gleichzeitigem politischen Desinteresse Washingtons an Südamerika habe zudem ein „geopolitisches Fenster“ für Verhandlungen geöffnet. So erklärte etwa José Mujica, favorisierter Linkskandidat für das Präsidentenamt in Uruguay, dass der Mercosur ausgeweitet werden soll – „vor allem in Richtung Europa“.

Auch in Europa erhalten die Befürworter Rückenwind: Spanien übernimmt ab Januar den EU-Vorsitz und engagiert sich seit Monaten für eine Einigung mit den Südamerikanern. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso sieht eine Integration mit dem Mercosur als eine Priorität seiner Außenpolitik.

Ein entscheidendes Hindernis könnte aber weiter der fehlende Konsens in Südamerika sein: Brasiliens Senat hat letzte Woche eines der wichtigsten Hindernisse für den Beitritt Venezuelas zum Mercosur aus dem Weg geräumt. Nun gibt es Befürchtungen, dass der Populist Hugo Chávez die Wirtschaftsgemeinschaft für seine linke Außenpolitik einspannt. Auch im Handel zwischen den Mercosur-Staaten gibt es immer wieder Streitereien.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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