Freihandelsabkommen geplant
EU und Indien wollen Zollschranken abbauen

Die EU und Indien wollen ihren Handel ausbauen und streben ein Abkommen über die gegenseitige Abschaffung der Zölle an. Die Gespräche mit Delhi über ein Freihandelsabkommen könnten in einigen Monaten beginnen, sagte ein Sprecher von EU-Handelskommissar Peter Mandelson. Zuvor müssten die EU-Staaten der Kommission ein Verhandlungsmandat erteilen.

BRÜSSEL. Die Zustimmung aller EU-Staaten gilt als unstrittig, da der Ausbau der Handelsbeziehungen mit Indien allgemein befürwortet wird. Und das nicht ohne Grund: Die boomende Wirtschaftsmacht hat für die EU rasant an Bedeutung gewonnen. Der bilaterale Handel wuchs von 4,4 Mrd. Euro im Jahr 1980 auf 40 Mrd. in 2005. Gut ein Fünftel der Importe Indiens kommen aus Ländern der EU, im Gegenzug gehen 22 Prozent der indischen Exporte nach Europa. Die wirtschaftliche Bedeutung steigt: Indien erwartet im nächsten Jahrzehnt ein jährliches Wirtschaftswachstum von im Schnitt sieben bis acht Prozent.

Indien steht deshalb im Zentrum des Strategiewechsels der EU, die nach dem vorläufigen Scheitern eines neuen Welthandelsabkommens unter dem Dach der WTO verstärkt auf bilaterale Verträge setzt. Vor einem Jahr hatten die EU und Indien eine „Hochrangige Gruppe“ eingesetzt, die die Chancen eines solchen Abkommens ausloten sollte. Sie legte vor einer Woche ihren Bericht vor. Das Ergebnis war positiv: Ein „umfassendes Handelsabkommen“ sei realistisch und zu empfehlen. Das Europaparlament will morgen ebenfalls einen Freihandelsvertrag mit Indien fordern.

Damit folgt es der deutschen Wirtschaft. Deutschland müsse sich in Brüssel dafür einsetzten, dass die EU mit Indien verhandelt, sagt Jürgen Hambrecht, BASF-Chef und Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses gestern in Berlin. Bilaterale Abkommen seien nicht ideal, aber „aus Pragmatismus notwendig“. Verzichte man auf sie, entstünden der deutschen Wirtschaft Nachteile.

Auf dem EU-Indien-Gipfel am 14. Oktober in Helsinki wird eine Vorentscheidung zur Aufnahme von Verhandlungen erwartet, die nach Zustimmung der Mitgliedstaaten spätestens Anfang 2007 starten könnten. Bis das Freihandelsabkommen tatsächlich steht, sind aber noch einige harte Nüsse zu knacken. So tut sich Indien schwer, die teils extrem hohen Zölle für wichtige Industriegüter zu senken. Schon bei den Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen war das Land hier einer der größten Bremser gewesen. Ein weiteres Konfliktfeld dürfte der durch Bürokratie und staatliche Auflagen behinderte Zugang ausländischer Investoren nach Indien sein. Als relativ einfach wird in der EU-Kommission die Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen angesehen. Dort hätten Indien und die EU ähnliche Interessen.

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