Freilassung der britischen Soldaten im Iran
„Ahmadinedschad, der ungekrönte König“

Die Gefangenenkrise ist beendet, die britischen Soldaten kehren zurück nach Hause. Viele Kommentatoren sehen die Freilassung als einen Sieg der Vernunft. Tony Blair habe "nicht die Nerven verloren", heißt es. Doch vor allem die britische Presse fürchtet einen hohen Preis. Von einem „noch unversöhnlicheren“ Mullahstaat ist die Rede.

HB DÜSSELDORF. Die 15 im Iran gefangen genommenen Soldaten sind wieder auf dem Weg in ihre Heimat. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte ihre Freilassung gestern als "Geschenk" bezeichnet. London feiert dagegen den Sieg der Diplomatie. Wer ist nun der eigentliche Gewinner?

Die Basler Zeitung aus der Schweiz sieht den Iran klar im Vorteil. Teheran habe weder nachgegeben noch sei Ahmadinedschad eingeknickt: „Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist der ungekrönte König des tragikomischen Polit-Theaters. Die Art und Weise, in der er die Freilassung der 15 festgehaltenen britischen Seesoldaten bekannt gab, war ebenso grotesk wie meisterlich.(...) Hat Iran also nachgegeben angesichts der empörten Reaktion der Welt? Knickte Teheran ein aus Angst vor einer vielleicht drohenden Befreiungsaktion durch Briten und Amerikaner? Mitnichten. Das iranische Regime hat - zumindest nach außen hin - ein weiteres Mal klug gepokert und politisch seinen Stich gemacht.“

Die Kommentatoren der römischen Zeitung La Repubblica bewerten die Freilassung als einen "(...)Medien-Coup, der seine Wirkung für Ahmadinedschad nicht verfehlt(...)". Damit habe es Ahmadinedschad geschafft, "(...)sich dem Westen und der islamischen Welt als vernünftiger Mann zu präsentieren, der gleichzeitig seinen Prinzipien treu bleibt". Der Fall sei allerdings wesentlich komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Die spanische Zeitung El País verweist auf die Auswirkungen, welche die Krise auch auf die iranisch-amerikanischen Beziehungen haben könnte: „(...)Teheran gab das Ende der Krise in einem theatralischen Propaganda-Akt bekannt, aber es erhob keine neuen Anschuldigungen gegen London und verlangte auch keine Entschuldigung mehr. Das Ajatollah-Regime ließ sogar anklingen, dass es seine Haltung gegenüber den USA ändern könnte, wenn US-Präsident George W. Bush mit dem Iran anders umginge (...).“

Der Schweizer Tages-Anzeiger sieht in dem Ende des Konflikts einen Sieg der Vernunft auf beiden Seiten: „Die Pragmatiker in Teheran kamen wohl zum Schluss, dass die Islamische Republik neben dem Atomstreit und den Uno-Sanktionen eine ausgewachsene Geiselaffäre auf Dauer nur schlecht hätte verkraften können, ohne den wachsenden Unmut der eigenen Bevölkerung auf sich zu ziehen. (...) Teheran kam dabei auch entgegen, dass London auf die Festnahme der 15 Briten einigermaßen abgeklärt und besonnen reagiert hat, ohne gleich in Säbelrasseln zu verfallen, wie sich das einige Neokonservative in Washington wünschten. (...) Allerdings hatte die britische Regierung auch keinen Grund, sich moralisch aufs hohe Ross zu setzen. Die USA und Großbritannien haben im Krieg gegen den Terror und bei der Besetzung des Irak wiederholt internationale Normen verletzt, was die Festnahme und die Behandlung von Gefangenen, unter ihnen etliche Iraner, betrifft."

Auch nach Ansicht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung seien Besonnenheit und Vernunft das richtige Mittel, um solche Krisen zu meistern: „Das positive Ende der Iran-Krise zeigt einmal mehr: Demokratien tun gut daran, im Umgang mit Despoten selbstbewusst, aber auch besonnen aufzutreten. Wer meint, das Regime in Teheran mit Drohungen oder gar mit Bomben in die Knie zu zwingen, der irrt. Die Tage des Diktators Ahmadinedschad sind ohnehin gezählt: Sein eigenes Volk wird ihn davonjagen.“

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