Freischärler greifen Innnenministerium an
Dutzende Tote nach Kämpfen in Inguschetien

Bei heftigen Gefechten in der südrussischen Kaukasus-Republik Inguschetien sind am Dienstag 57 Menschen getötet und rund 60 verletzt worden, darunter auch der Innenminister. Es waren die heftigsten Gefechte in Inguschetien seit Beginn des Tschetschenien- Konflikts vor rund zehn Jahren.

HB NASRAN. In einer Überraschungsaktion stürmten mutmaßliche Separatisten aus dem benachbarten Tschetschenien in der Nacht zu Dienstag das Gebäude des Innenministeriums in der inguschischen Hauptstadt Nasran und hielten es mehrere Stunden lang besetzt. Bei den Gefechten kam nach offiziellen Angaben auch der Innenminister der Region, Abukar Kostojew, ums Leben. Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte an, die Verantwortlichen würden unnachgiebig zur Rechenschaft gezogen. Zugleich kritisierte bei einem Besuch der Region den Umgang seiner Regierung mit den dortigen Problemen. Der Rebellenangriff hat Zweifel an der Fähigkeit Russlands aufkommen lassen, die tschetschenischen Separatisten unter Kontrolle zu bekommen.

Inguschetien grenzt an die Republik Tschetschenien, wo moslemische Rebellen seit langem für eine Loslösung von der Russischen Föderation kämpfen. Die überwiegend moslemische Bevölkerung Inguschetiens steht der Volksgruppe der Tschetschenen nahe. Der Tschetschenien-Konflikt hat bereits mehrfach auf die Nachbarregionen übergegriffen.

An der Aktion seien bis zu 200 Rebellen-Kämpfer beteiligt gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Polizei. Verkleidet als Sondereinheit der Polizei und mit falschen Ausweispapieren seien die Rebellen an den Kontrollpunkten vorbei nach Inguschetien gelangt. Bei dem Versuch der Sicherheitskräfte, die Rebellen aus dem Innenministerium zu vertreiben, wurden Granatwerfer und automatische Waffen eingesetzt. Bei den Gefechten wurden auch Waffenlager der Polizei sowie Polizeiwachen zerstört. Unter den Toten seien 47 Mitglieder der Polizei und der Sicherheitskräfte, berichtete Tass unter Berufung auf den amtierenden Innenminister Beslan Chamchojew. Zwei der Rebellen seien getötet und drei festgenommen worden, sagte Chamchojew. Die Rebellen versuchten russischen Justizkreisen zufolge, nach Tschetschenien und Georgien zu flüchten.

Putin sagte dem inguschetischen Präsidenten Murat Sjasikow: „Nach dem, was hier vorgeht, tut die russische Regierung nicht genug, um die Republik zu verteidigen“. Die Verantwortlichen müssten gefunden werden. „Diejenigen, die lebend gefasst werden können, müssen den Gerichten übergeben werden.“ Tschetscheniens Innenminister Alu Alchanow sagte, es gebe Beweise dafür, dass der meistgesuchte Mann Russlands, Rebellenchef Schamil Basajew, hinter den Angriffen stecke. Sein Stellvertreter Achmed Sakajew bestritt dies gegenüber Reuters in London. „Nein, er hat dies nicht geleitet und nicht geplant. Ich bin aber sicher, dass Einheiten tschetschenischer Freiwilliger daran teilgenommen haben“.

Die Rebellenaktion lässt nach Ansicht von Beobachtern Zweifel daran aufkommen, ob es den russischen Behörden tatsächlich langsam gelingt, die Lage in Tschetschenien in den Griff zu bekommen, wie Putin dies vor kurzem gesagt hatte. Erst vor sechs Wochen war der pro-russische Präsident Tschetscheniens, Achmad Kadyrow, bei einem Attentat getötet worden.

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