Fremdenhass
Die neun Aufrechten von Little Rock

Vor 50 Jahren trotzten neun afroamerikanische Schüler an der Central High School von Little Rock, in Arkansas, dem Rassenhass ihrer weißen Mitschüler. Die Auseinandersetzung markiert den Höhepunkt der Rassenunruhen im Süden der USA. Geändert hat sich dennoch nicht viel – die Trennlinien sind heute nur nicht mehr so scharf definiert wie damals.

WASHINGTON Ablehnung, Hass und Verachtung ist es, was den Studenten am Morgen des 23. September 1957 entgegenschlägt. Und Arroganz. „Nigger, haut ab“ rufen die einen. „Knüpft das schwarze Schwein auf“, schreien die anderen. Doch die neun schwarzen Studenten, die gerade wieder, flankiert von der Nationalgarde, aus der Central High School von Little Rock in Arkansas herausgeführt werden, verziehen keine Miene. Sie werden am nächsten Tag wiederkommen. Sie haben das Recht dazu. Am kommenden Montag jährt sich der Kampf der schwarzen Schüler um eine gleichwertige Ausbildung zum 50. Mal. Vorhanden sind die Diskriminierungen aber immer noch – trotz Regeln, Gesetzen und Vorschriften.

Bereits 1954 hatte das Oberste Gericht der USA in „Brown versus Board of Education of Topeka, Kansas“ die Rassentrennung in Schulen für verfassungswidrig erklärt. Doch nur ganz langsam gelingt es schwarzen Schülern, sich auch tatsächlich in einst nur Weißen vorbehaltene Schulen einzuschreiben. Immerhin: Die Schulverwaltung von Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, will die Entscheidung umsetzen und erlaubt im Schuljahr 1957/58 neun Afro-Amerikanern den Besuch an der Central High School.

Doch die Schulverwaltung hat nicht mit dem Widerstand des Gouverneurs von Arkansas gerechnet. Orval Faubus mobilisiert am 2. September sogar die Nationalgarde, um zu verhindern, dass Schwarze „Central High“ besuchen. Was der demokratische Gouverneur damit auslöst, ist nicht weniger als eine Staatskrise. Präsident Dwight D. Eisenhower muss schließlich Bundestruppen nach Little Rock senden, um dem Recht Geltung zu verschaffen.

„Wir fühlten, dass wir gerade dabei waren, eine Mauer einzureißen“, erinnert sich heute einer von ihnen an die dramatischen Stunden und Tage. „Und außerdem wollte ich die beste Ausbildung, die es zu jener Zeit in Little Rock gab.“ Ernest Green war der älteste der neunköpfigen Gruppe, die als „Little Rock Nine“ zu einem Symbol der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung werden sollte. Der heute bald 66-Jährige hält die Durchsetzung des Rechts damals für einen Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung von Schwarz und Weiß. So wie Rosa Parks Weigerung, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen Weißen frei zu machen, den anschließenden Montgomery-Busboykott oder die Sit-ins von Greensboro. Allerdings macht sich Green nichts vor: „Der Wandel ist noch nicht groß genug.“ Und: „Was früher die Trennung in den Schulen war, ist heute die Trennung beim Wohnen.“ Was Green meint, ist die ökonomische Rassentrennung in den USA. Eine Trennung, die sich nicht per Gerichtsbeschluss beseitigen lässt. Tatsächlich hat sogar eine Entscheidung des Supreme Court im Juni die juristischen Fortschritte der Vergangenheit wieder ein Stück zurückgedreht. Zwar ist die Integration der Ethnien weiterhin erwünscht, doch sind Quotenregelungen, wie sie an vielen Schulen und Hochschulen gelten, seit ein paar Wochen nicht mehr verbindlich. Das Oberste Gericht gab zwei weißen Klägern aus Seattle und Louisville in Kentucky recht, die sich durch die Quoten für Minderheiten diskriminiert gefühlt hatten. „Das war ein herber Rückschlag“, sagt Erica Frankenberg vom Civil Rights Project an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. „Es hat uns eines der wichtigsten Instrumente genommen, die Integration tatsächlich umzusetzen.“

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