Freudenschüsse in Bagdad
Tod der Saddam-Söhne kann Bush helfen

Für US-Präsident George W. Bush konnte die Nachricht vom Tod der beiden Saddam-Söhne nicht gelegener kommen. Nachdem die Kritik an seiner Irak-Politik zuletzt immer mehr zugenommen hatte, sorgte die Meldung aus Mossul im Weißen Haus gestern für deutliches Aufatmen. Der Tod der für ihre Grausamkeit berüchtigten Söhne Udai und Kusai könnte zum Durchbruch bei der immer noch unzureichenden Stabilisierung des Iraks werden.

HB/kin BAGDAD/WASHINGTON. Immerhin werden dort die US-Truppen fast täglich von mutmaßlichen Anhängern des alten Regimes unter Beschuss genommen. US-Militärs haben prognostiziert, der Widerstand gegen die Besatzungstruppen werde zusammenbrechen, sobald Saddam Hussein und seine Söhne gefasst seien. Der Nachrichtensender CNN zitierte einen Mitarbeiter des Weißen Hauses mit den Worten, der Tod Udais und Kusais wäre ein „starkes Signal“ an die irakische Bevölkerung, dass die Tage des Saddam-Regimes zu Ende seien und dass es kein Zurück mehr gebe. Udai und Kusai hatten zentrale Rollen im Machtapparat von Saddam inne.

Nun also haben die US-geführten Truppen im Irak diesen wichtigen Sieg errungen. Das bestätigte US-Generalleutnant Ricardo Sanchez am Abend in Bagdad. „Wir sind sicher, dass Udai und Kusai heute getötet wurden“, sagte er. Sie seien bei einem sechsstündigen „erbitterten Feuergefecht“ in Mossul ums Leben gekommen.

Die Militäraktion ging seinen Angaben zufolge auf den Hinweis eines irakischen Informanten zurück, dass sich die Söhne Saddam Husseins in dem Haus in Mossul aufhielten. Als die US-Truppen sich dem Gebäude näherten, eröffneten Bewaffnete aus dem Innern das Feuer, wie Sanchez mitteilte. „Die Verdächtigen haben sich im Haus verbarrikadiert.“ Sie hätten erbitterten Widerstand geleistet. Die Toten seien vor Ort identifiziert und dann nach Bagdad gebracht worden. „Die Leichen waren in einem Zustand, in dem man sie identifizieren konnte“, sagte Sanchez auf der eilig einberufenen Pressekonferenz.

An der Militäraktion waren seinen Angaben zufolge Spezialeinheiten sowie Soldaten der 101. Luftlandedivision beteiligt. Etwa 200 US-Soldaten hatten die Villa mit automatischen Waffen und Raketen beschossen. Die Identität der beiden anderen Toten sei noch nicht geklärt, hieß es.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte am Dienstag unverzüglich Präsident George W. Bush persönlich über den Stand der Dinge informiert.

In Bagdad reagierten am Dienstagabend zahlreiche Menschen mit Freudenschüssen auf die Nachricht vom Tod der Saddam-Söhne.

Davon, dass am Ende sogar Saddam Hussein selbst unter den Opfern des gestrigen Anschlages gewesen sein könnte, war gestern keine Rede. Nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) ist der gestürzte irakische Staatschef noch am Leben. Die Indizien sprächen dafür, sagte BND-Präsident August Hanning in einem Interview mit dem „Münchner Merkur“. Der BND vermutet zudem noch immer ein bedeutendes Waffenpotenzial im Irak: Vor dem Krieg habe der Irak verschiedene Stoffe für die Herstellung chemischer Waffen importiert, sagte Hanning der Zeitung zufolge. Bis heute seien diese nicht gefunden worden.

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