Friedensforschungsinstitut Sipri

Der weltweite Waffenhandel floriert

Die USA fordern von den Europäern mehr Militärausgaben. Dabei erlebt der weltweite Waffenhandel einen Boom – das Volumen der Rüstungsexporte ist stark angestiegen. Vor allem zwei Länder sind dafür verantwortlich.
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Ein US-Kampfjet vom Typ F22A-Raptor feuert Geschosse ab. Weltweit stiegen die Zahlen der Rüstungsexporte in den vergangenen Jahren stetig an. Quelle: dpa
Rüstungsbranche im Aufwind

Ein US-Kampfjet vom Typ F22A-Raptor feuert Geschosse ab. Weltweit stiegen die Zahlen der Rüstungsexporte in den vergangenen Jahren stetig an.

(Foto: dpa)

StockholmEin Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges hat der weltweite Waffenhandel wieder deutlich zugelegt. Nach dem jüngsten Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri erreichte der Waffenexport in den vergangenen fünf Jahren sein größtes Volumen seit 1990. Zwischen 2012 und 2016 war der Rüstungstransfer demnach 8,4 Prozent höher als zwischen 2007 und 2011.

Die größten Exporteure waren nach Angaben von Sipri die USA und Russland. Zusammen beherrschten sie 56 Prozent des Marktes, gefolgt von China, das in dem weltweiten Ranking Platz drei einnahm (6,2 Prozent). Die deutschen Exporte gingen demnach in den vergangenen fünf Jahren um 36 Prozent zurück. Im Ranking stand Deutschland mit einem Marktanteil von 5,6 Prozent auf Platz 5 der Rüstungsexporteure, hinter Frankreich mit 6 Prozent an vierter Stelle.

„Die USA versorgen weltweit mindestens 100 Länder mit Waffen – deutlich mehr als jeder andere Zulieferstaat“, sagte Aude Fleurant, Direktorin des Sipri-Waffen- und Militärausgabenprogramms. Gehandelt würden Flugzeuge mit Cruise Missiles und anderer präzisionsgeführter Munition sowie die neueste Generation von Luft-und Raketenabwehrsystemen.

Russland mit seinem Anteil von 23 Prozent am Export belieferte hauptsächlich Indien, Vietnam, China und Algerien. Der größte Importeur von Waffen war dem Bericht zufolge Indien mit 13 Prozent der globalen Summe. Doch auch Staaten im Nahen Osten haben in den vergangenen zehn Jahren wieder kräftig aufgerüstet. Saudi-Arabien war zwischen 2012 und 2016 der zweitgrößte Waffenimporteur mit einem Anstieg von 212 Prozent gegenüber der Periode 2007 bis 2011. „Trotz des niedrigen Ölpreises haben die Länder in der Region im Jahr 2016 weitere Waffen bestellt, die sie als entscheidende Instrumente für den Umgang mit Konflikten und regionalen Spannungen sehen“, sagte Pieter Wezemann.

Auch in Südostasien stieg dem Bericht zufolge die Nachfrage nach Rüstungsgütern. Vietnam machte bei den Importeuren einen besonders großen Sprung von Platz 29 auf Platz 10. „Da es keine regionalen Rüstungskontrollmechanismen gibt, werden die Staaten in Asien ihre Arsenale weiter ausbauen“, sagte der Sipri-Forscher Siemon Wezeman.

Das sind die größten Waffenhersteller der Welt
Platz 10: L-3 Communications
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Der US-Konzern hat vor zwei jahren den Aufstieg in die Reihe der zehn größten Waffenhersteller geschafft. Allerdings hat das Unternehmen aus New York 2015 in der Rüstungssparte mit 8,8 Milliarden US-Dollar etwas weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr. L-3 liefert vor allem Kommunikationssysteme und Navigationssysteme an das Militär. Außerdem stellt der Konzern Körperscanner für Flughäfen her.

Quelle: SIPRI Arms Industry Database

Platz 9: Finmeccanica (Italien)
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Die Italiener bauen Flugzeuge, Hubschrauber, Panzer und Schiffsgeschütze, aber auch den Hochgeschwindigkeitszug ETR 500. Mit einem Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar in der Militärsparte ist Finmeccanica nicht nur im internationalen Waffenmarkt bedeutend, die Firma ist auch zweitgrößter Arbeitgeber Italiens.

Platz 8: United Technologies (USA)
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US-Unternehmen dominieren die Top Ten der weltweit größten Rüstungsfirmen. Der Mischkonzern United Technologies hat mit seiner Militärsparte im vergangenen Jahr 9,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Damit konnte das Rüstungsunternehmen nicht an das starke vergangene Jahr anknüpfen – auch, weil die Hubschraubersparte Sikorsky Mitte 2015 für 9 Milliarden Dollar an Lockheed Martin verkauft wurde. United Technologies dürfte so 3 Milliarden Dollar an jährlichen Rüstungsumsätzen einbüßen.

Platz 7: Airbus Group (Europa)
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Fast wäre aus Airbus, der ehemaligen EADS, und der britischen BAE der größte Rüstungskonzern der Welt geschaffen worden. Doch die Fusion platzte. Das europäische Unternehmen, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien künftig direkt beteiligt sind, kommt allein auf Platz sieben im Sipri-Ranking. Im Jahr 2015 standen Umsätze im Militärbereich von 12,9 Milliarden Dollar zu Buche – gut 700 Millionen mehr als im Vorjahr.

Platz 6: General Dynamics (USA)
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Flugzeuge, Fahrzeuge und Schiffe für den militärischen Bedarf stellt General Dynamics her. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden mit Kriegsgütern gemacht. 2015 konnte GD deb Umsatz mit der Rüstungssparte weiter steigern – und zwar auf 19,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 5: Northrop Grumman (USA)
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Das US-Unternehmen bedient mit seinen Produkten die Schiff-, Luft- und Raumfahrt. Der Militärbereich macht mit 20 Milliarden Dollar über 80 Prozent der Umsätze aus. Bekanntestes Produkt ist der Tarnkappenbomber B-2.

Platz 4: Raytheon (USA)
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Ganz auf Militärprodukte ist das Unternehmen aus Waltham (US-Bundesstaat Massachusetts) spezialisiert. 94 Prozent seines Umsatzes macht Raytheon mit Kriegsgerät. Im Jahr 2015 waren es 21,8 Milliarden Euro. Raketen und Radar-Systeme gehören zu den bekanntesten Produkten. Raytheon stellt auch das Raketenabwehrsystem Patriot her.

  • dpa
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  • Die USA fordert von der EU, dass die EU mehr für ihre Sicherheit und Schutz tun muss und dass die USA nicht mehr bereiten sind die Militärkosten für die Nato in diesen Umfang, wie bis dato, zu tragen.
    Somit hat die USA vollkommen RECHT, wenn diese der EU einen guten Ratschlag für die Zukunft geben will...Sicherheit und Schutz ist nicht selbstverständlich und Kosten nicht nur "Geld" sondern auch Menschenleben.
    Die EU ist ein kleines Baby, dass nicht mehr auf eigenen Sicherheits- und Schutzbeinen stehen kann. Mit Merkel und Schulz wird das ganze noch schlimmer.

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