Friedensgespräche zu Syrien: „Welcher Waffenstillstand?“

Friedensgespräche zu Syrien
„Welcher Waffenstillstand?“

Syrer haben wenig Hoffnung in die Friedensgespräche in Genf. Viele fühlen sich von der internationalen Gemeinschaft allein gelassen. Auch an der Waffenruhe gibt es Zweifel. Was Syrer in diesen Tagen umtreibt.

Kilis, Genf3500 Kilometer liegen zwischen Genf und diesem staubigen Ort in der Türkei, an dem sich eine Mutter mit ihren Söhnen und Töchtern auf gepackten Taschen niedergelassen hat. Dort, in der fernen Schweiz, ringen Syriens Regierung und Opposition um Frieden, doch davon weiß die Frau, die hier am Grenzübergang nahe der Stadt Kilis wartet, nur wenig.

Die Lage der Flüchtlingsfamilie aus Syrien ist in der Türkei so trübe, dass sie zurück nach Syrien will, obwohl dort noch immer Bomben fallen. Das beschäftigt die Mutter jetzt, nicht das Gezerre in Genf. Nein, sagt sie, sie verfolge die Verhandlungen nicht: „Ich habe gar keinen Fernseher.“

Grenzübergang Öncüpinar, Südtürkei. Wie die Frau mit ihrer Familie warten an diesem Tag zwei Dutzend Syrer darauf, dass sie zurück in ihre Heimat können. Lastwagen auf dem Weg nach Syrien rauschen vorbei und wirbeln Staub auf. Fliegende Händler verkaufen Wasser, Kaffee und Zigaretten. Öncüpinar ist kein schöner Ort zum Warten.

Mittlerweile hat das sechste Jahr des syrischen Bürgerkrieges begonnen. Mehr als 250.000 Menschen sind ihm zum Opfer gefallen, große Teile des Landes zerstört, Millionen Syrer vertrieben, die Menschen erschöpft. In jedem Gespräch mit ihnen ist ihre Verzweiflung rauszuhören. Die Friedensverhandlungen in Genf geben ihnen keine Hoffnung.

Die zweite Runde der Gespräche war in der vergangenen Woche geendet. Am 9. April sollen die Friedensverhandlungen fortgesetzt werden. Der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, zeigte sich nach den bisherigen Gesprächen zwar ermutigt. Doch beim Ringen um eine dauerhafte Friedenslösung sind bisher keine erkennbaren Fortschritte in Sicht.

Der Arzt Muhammad Derbas verschwendet nur wenige Gedanken an das Geschehen in der Schweiz. Er versucht den Menschen zu helfen, die vor Bomben in das syrische Grenzgebiet geflohen sind und festsitzen, weil die Türkei die Grenze geschlossen hat. Zehntausende lebten dort in Zelten, erzählt der 30-Jährige. „Es gibt keinen Strom, es mangelt an Wasser und Toiletten“, klagt er. Heftiger Regen habe den Boden aufgeweicht und die Zelte unterspült. Durchfallerkrankungen verbreiteten sich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%