Friedenskonferenz
Syrische Opposition will an Gesprächen teilnehmen

Seit zweieinhalb Jahren wollen die syrischen Oppositionellen Präsident al-Assad stürzen. Ein Treffen mit Vertretern aus den USA und Russland soll den Abgang beschleunigen. Doch die Nationale Koalition stellt Bedingungen.
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IstanbulNach langen Diskussionen hat sich die syrische Opposition im Ausland zur Teilnahme an der Genfer Friedenskonferenz bereiterklärt. Die Syrische Nationale Koalition stellte dafür zwar Bedingungen, allerdings ist in der am Montag veröffentlichten Erklärung nicht mehr die Rede davon, dass Präsident Baschar al-Assad vor Beginn der Konferenz abgelöst sein müsse. US-Außenminister John Kerry lobte die Ankündigung als großen Schritt nach vorn.

Es war das erste Mal, dass sich die Koalition als Bündnis und nicht nur einzelne Vertreter von ihr für eine Teilnahme an dem geplanten Treffen in der Schweiz aussprach. Als Bedingung nannte sie, dass Hilfsorganisationen auch in belagerten Gebieten arbeiten können müssten. Zudem verlangten die Oppositionellen die Freilassung von politischen Gefangenen. Am Ende sollte ein Machtübergang erreicht werden. „Wir können nur hoffen, dass diese (Genfer) Gespräche mit dem Abgang von Baschar al-Assad enden“, erklärte Adib Schischakli von der Koalition.

Eigentlich sollte die Konferenz Ende November stattfinden. Wegen der Zerstrittenheit der syrischen Regierungsgegner und Uneinigkeit zwischen den USA und Russland unter anderem über das Ziel des Treffens wurde es aber erneut verschoben.

Die syrische Opposition ist gespalten und spricht nicht mit einer Stimme. So sind islamistische Rebellen gegen die Genfer Konferenz, solange nicht die Absetzung Assads nicht als Ziel gesetzt werde. Einige Rebellengruppen haben Teilnehmern mit Verfolgung wegen Hochverrats gedroht. Die Vollversammlung der Koalition sollte am Montag weiter tagen und versuchen, sich auf eine Gegenregierung zu einigen, die in den von den Rebellen gehaltenen Gebieten für Ordnung sorgen soll.

Assad versucht seit zweieinhalb Jahren, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. In dem Konflikt, der sich auch zu einem Religionskrieg entwickelt hat, sind über 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Millionen sind auf der Flucht.

Der iranische Außenminister Dschawad Sarif äußerte sich unterdessen besorgt über die religiösen Spannungen in der Region. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten sei die größte Bedrohung für die Sicherheit in der Welt, sagte er in einem BBC-Interview. Sarif beschuldigte arabische Staaten, den Krieg in Syrien anzuheizen.

Die syrischen Rebellen gehören überwiegend der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit an und werden von Golfstaaten wie Saudi-Arabien unterstützt. Die Glaubensgruppe der Alawiten, der Assad angehört, steht dagegen dem Schiitentum nahe, von dem der Iran geprägt ist. Der Iran ist auch einer der wenigen verbliebenen Verbündeten Assads. Wegen der Glaubenskonflikte droht der Konflikt auf Nachbarländer wie den Irak oder den Libanon überzugreifen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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