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Friedensnobelpreis: Auszeichnung für Obama provoziert Kritik

Kaum jemand in den USA hatte damit gerechnet, dass Barack Obama der Friedensnobelpreis zugesprochen würde. Weltweit überwiegen zwar die positiven Reaktionen auf die Entscheidung des Nobelkomitees. Doch teilweise wurde auch herbe Kritik geäußert.

HB WASHINGTON. Denn neun Monate nach seinem Amtsantritt befindet sich der Demokrat mit seiner neuen „Politik der ausgestreckten Hand“ in Turbulenzen: Die Ratlosigkeit in Washington über den weiteren Kurs im Afghanistankrieg wächst, das Gefangenenlager Guantánamo wird nicht, wie von Obama versprochen, im Januar 2010 geschlossen. Der Nobelpreis ist die „Anerkennung für seine Versprechen“, kommentierte CNN-Starreporterin Christiane Amanpour und traf damit den Ton fast aller ersten US-Reaktionen. „Eine Überraschung, aber ein großer Tag für Amerika“ meinte der Publizist John Avlon.

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Das renommierte „Wall Street Journal“ reagierte äußerst kritisch und schrieb: „Barack Obama gewinnt den Nobelpreis: Wofür?“ Das sei „grotesk“, hieß es. „Nun kann ein politischer Führer einen Friedenspreis gewinnen, weil er sagt, er wolle irgendwann in der Zukunft Frieden bringen.“ Zugleich weist das Blatt darauf hin, dass Obama derzeit über eine Aufstockung der Truppen im Afghanistankrieg zu entscheiden hat.

Das norwegische Komitee erklärte, Obama werde für seinen außergewöhnlichen Einsatz für eine weltweite Völkerverständigung gewürdigt. Er habe als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Weiter hob das Komitee Obamas Bemühungen in den Bereichen atomare Abrüstung und Klimaschutz hervor.

Der Friedenspreis ist damit die internationale Anerkennung für Obamas Neuorientierung der US-Politik in der Welt. Denn der erste schwarze Präsident der US-Geschichte übte vor der Weltöffentlichkeit Selbstkritik für die Politik seines Landes, schwor dem Unilateralismus, einer „arroganten Politik“ und der Verletzung der Menschenrechte in amerikanischem Namen öffentlich ab. Er versprach bei einem spektakulären Auftritt in Kairo der islamischen Welt einen Neuanfang in den Beziehungen und er warb in Prag für seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Nach acht Jahren der Regierung von George W. Bush, in denen das Ansehen der USA weltweit schwer angeschlagen wurde, konnte Obama mit seinem Versprechen auf „Hoffnung“ und „Wandel“ weltweit beeindrucken.

Obama will „eine neue Ära des Friedens und des Wohlstands“ für die Welt, will vor allem mit Diplomatie und Kompromissbereitschaft die Konflikte auf dem Globus lösen. Der US-Präsident verkündete zur Freude Moskaus und der meisten Westeuropäer den Verzicht auf das noch von Bush geplante Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien. Auch die amerikanisch-russischen Verhandlungen für einen Nachfolgevertrag des Abrüstungsabkommens Start haben begonnen.

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