Friedensnobelpreis
Chinas Freunde boykottieren die Verleihung

Pekings Zorn zeigt Wirkung: 19 Länder haben ihre Teilnahme an der Verleihung des Friedensnobelpreises abgesagt. Er wird in Oslo an den Bürgerrechtler Liu Xiaobo vergeben, dessen Stuhl ebenfalls leer bleiben wird. Xiaobo verbüßt eine elfjährige Hafstrafe in einem chinesischen Gefängnis.
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STOCKHOLM. Wenn am Freitag die Friedensnobelpreis-Zeremonie in Oslo stattfindet, wird der Preisträger, der chinesische Bürgerrechtler Liu Xiaobo nicht anwesend sein. Er verbüßt eine elfjährige Haftstrafe in China, auch seine Frau steht unter Hausarrest. Die Führung in Peking wirft Liu vor, einer der führenden Köpfe der Charta 08 zu sein, in der chinesische Intellektuelle umfassende politische Reformen forderten.

Nur ein leerer Stuhl und ein großes Portraitbild von Liu Xiaobo werden im Rathaus von Oslo an den diesjährigen chinesischen Friedensnobelpreisträger erinnert. Liu wird für „seinen langen und gewaltfreien Kampf für fundamentale Menschenrechte in China“ mit dem mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preis ausgezeichnet.

Lius leerer Stuhl wird nicht der einzige sein: Der Druck Pekings zeigt Wirkung. 19 Länder haben ihre Teilnahme abgesagt, darunter Russland, die Ukraine, Pakistan, Saudi-Arabien, Serbien, Ägypten, Iran, Irak, Afghanistan und Kuba. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Russlands Botschafter befinde sich auf einer lang geplanten Dienstreise und insofern sei die Nichtteilnahme nicht als Protest zu verstehen, erklärte ein Botschaftssprecher.

Auch Norwegen spürt den Zorn Pekings. Die chinesische Regierung hatte schon vor der Bekanntgabe des Preisträgers im Oktober das Nobel-Komitee davor gewarnt, den Preis an Liu zu vergeben. Dies würde den bilateralen Beziehungen schaden, hieß es aus dem Außenministerium in Peking. Tatsächlich wurde schon wenige Tage nach der Entscheidung für Liu ein wichtiges Ministertreffen abgesagt. Vergangene Woche stellte Peking einen Termin des norwegischen Wirtschaftsministers kurzfristig ein. Er wollte mit seinem chinesischen Amtskollegen die letzten Vorbereitungen für ein Freihandelsabkommen treffen. Norwegen wäre das erste europäische Land mit einem solchen Abkommen.

Norwegens Exportindustrie macht sich große Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Eiszeit. Allerdings hat eine Umfrage des norwegischen Radios unter den größten Konzernen des Landes ergeben, dass die Vergabe des Friedensnobelpreises bislang keine konkreten Auswirkungen auf den Handel zwischen beiden Ländern hat. Die für Norwegen wichtige Fischindustrie konnte in diesem Jahr sogar 55 Prozent mehr Lachs nach China exportieren als 2009.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Friedensnobelpreis: Chinas Freunde boykottieren die Verleihung"

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  • Länder wie die Ukraine, Pakistan, Saudi-Arabien, Serbien, Ägypten, iran, irak, Afghanistan und Kuba gelten ja nun wirklich nicht als Musterbeispiele der Demokratie und der Meinungsfreiheit und das dort das Geld aus China wichtiger ist als das eigene Rückrad kann auch nicht wirklich überraschen.

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