Friedensnobelpreis: Florian Kolf: Mehr Zukunft, weniger Vergangenheit

Friedensnobelpreis
Mein Europa - zwölf Plädoyers für die Zukunft

Florian Kolf: Mehr Zukunft, weniger Vergangenheit

Wenn ich meine Töchter frage, ob wir den Euro wieder abschaffen sollen, schauen die mich nur völlig verständnislos an. Ein gemeinsames Zahlungsmittel in Europa zu haben, keine Grenzkontrollen, völlige Freizügigkeit, verlässliche gemeinsame Standards, ist für sie eine Selbstverständlichkeit, die Teil ihrer Zukunftsplanung ist. Sie wollen in Frankreich studieren, in den Niederlanden arbeiten, mit spanischen Freunden feiern, nach Griechenland reisen, ohne ihre deutschen Wurzeln zu verlieren.

In der aktuellen Diskussion wird leider völlig vergessen, dass es ein Europa jenseits von Schulden und Rettungsschirmen gibt, dessen Bedeutung tiefer geht als das kleinliche Berechnen, ob der deutsche Export nun 0,1 Prozent höher oder niedriger wäre ohne den Euro. Nicht Europäische Gemeinschaft ist das Problem, sondern das krampfhafte Festhalten am Provinzialismus. Die Globalisierung unseres Alltags ist nicht aufzuhalten, unsere Aufgabe ist es, sie so zu gestalten, dass sie allen Menschen in Europa Frieden, Wohlstand und Chancen bietet.

Doch dazu ist auch in der EU ein Umdenken notwendig: Nicht mehr Subventionen für die Landwirtschaft oder Vorschriften über den Krümmungsgrad von Bananen sind gefragt, sondern die Förderung von Zukunftstechnologien, die Investition in Bildung und das Überwinden von Mauern in den Köpfen der Menschen.

Für diese positive Vision eines vereinten Europas zu kämpfen, das bin ich meinen Kindern schuldig. Sonst überlassen wir das Projekt Europa verbiesterten alten Männern und Populisten wie Silvio Berlusconi, die sich auf Kosten der Gemeinschaft ihre Macht und Geschäftsinteressen sichern wollen. Und setzen damit unsere Zukunft aufs Spiel.

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