Friedensnobelpreis
Hintergrund: Die Grameen-Bank

Mohammed Junus und seine Grameen-Bank aus Bangladesch haben den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten. Ziel der Bank ist es, die Armut insbesondere der ländlichen Bevölkerung zu bekämpfen.

HB HAMBURG. Die Grameen-Bank in Bangladesch wurde 1976 gegründet und vergibt Kredite an die Ärmsten der Armen. Das Wort „Grameen“ bedeutet ländlich oder dörflich. Das Geld wird ohne Sicherheiten vor allem Frauen gewährt. Zuvor hatten dort gerade die Frauen keinerlei Zugang zu Kapital. Bankkredite wurden nur an Menschen vergeben, die bereits Geld hatten.

Jeweils fünf Frauen tun sich für einen Kredit der Grameen-Bank zusammen und bürgen „moralisch“ füreinander. Eine von ihnen bekommt das Geld, kauft davon einen Webstuhl oder eine Nähmaschine und macht sich selbstständig. Vom Gewinn zahlt sie den Kredit samt den Zinsen zurück. Dabei werden 20 Prozent Zinsen für Darlehen berechnet, die Gewinne generieren. Wer sein Haus finanzieren will, muss acht Prozent Zinsen zahlen, für Studenten-Kredite werden fünf Prozent fällig. Besonders schwer getroffene Gruppen wie Bettler erhalten zinslose Kredite. Insgesamt dürfen die anfallenden Zinsen nicht den geliehenen Betrag übersteigen - unabhängig von der Laufzeit.

Derzeit gehören zum Netzwerk der Grameen Bank, die in der Hauptstadt Dhaka ihren Sitz hat, mehr als 2220 Filialen. Rund 6,6 Mill. Kunden werden betreut. 97 Prozent von ihnen sind Frauen aus über 71 000 Dörfern. Etwa 18 000 Menschen arbeiten für das Unternehmen. Insgesamt hat die Bank bisher mehr als 5,7 Mrd. Dollar (4,5 Mrd. Euro) an Krediten vergeben.

Die Idee hat enormen Erfolg. Weil sich Frauen als zuverlässige Geschäftspartnerinnen erwiesen haben, stellen sie den Großteil der Kunden und damit der Anteilseigner. Insgesamt ist die Bank zu 94 Prozent in Besitz der Kreditnehmer. Grameen arbeitet profitabel, erwirtschaftet sogar Gewinn, da rund 99 Prozent der Kredite zurückgezahlt werden.

1983 wurde das Institut auch formal in eine Bank umgewandelt. Mittlerweile ist Grameen eine Unternehmensfamilie mit mehr als 24 Organisationen. Die Tochter Grameen-Enterprise produziert Stoffe für den Export. Grameen-Energy soll Solarenergie in die Dörfer bringen. Und Grameen-Telecom soll das Handy zum Telefon der armen Leute in Bangladesch machen.

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