Friedensnobelpreis: Jan Mallien: Die Kraft der Pluralität

Friedensnobelpreis
Mein Europa - zwölf Plädoyers für die Zukunft

Jan Mallien: Die Kraft der Pluralität

Gerade war ich auf der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank. Es waren Franzosen dort, Spanier, Iren, Italiener und Deutsche. Alle haben dieselbe Währung. Dennoch waren unsere  Fragen höchst unterschiedlich. 

Meine deutschen Kollegen interessierten sich für Inflation. Die Spanier wollten wissen, was Herr Draghi zur Sparpolitik in ihrem Land sagt. Die Franzosen  sorgten sich über den „hohen“ Wechselkurs des Euro.

Jedes Land hat einen sehr unterschiedlichen Blickwinkel. Das macht es in Brüssel oft ziemlich kompliziert, sich zu einigen. Dennoch ist es grade diese Vielfalt, die Europa ausmacht.

Meine Vision ist ein föderales Europa, in dem jede Region ihre unterschiedlichen Stärken einbringt. Dazu gehören offene Grenzen, ein gemeinsamer Markt und das Erasmus-Austauschprogramm. Uns verbinden aber nicht nur praktische Dinge, sondern gemeinsame Werte: Menschenrechte und Meinungsfreiheit – zum Beispiel. 

Eine irische Kollegin sagte zu mir: Den wahren Wert von Europa erkennst Du erst, wenn Du alleine in Peking an einer Kreuzung steht und dich fragst: "Wo gehöre ich hin?" Ich glaube sie hat Recht.

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