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Mein Europa - zwölf Plädoyers für die Zukunft

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Regina Krieger: Weniger Nabelschau

Regina Krieger verantwortet die Literaturseite des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola
Regina Krieger verantwortet die Literaturseite des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Hans Magnus Enzensberger hat recht, wenn er Europa als das „Europa der Notizbücher“ beschreibt – und nicht das Europa des „sanften Monsters Brüssel“ wie eine seiner Streitschriften heißt: eine Vielzahl an Taschenkalendern mit Telefonnummern von Stuckateuren in Polen, Ferienhäusern in Kent, Geschäftspartnern in Oslo, Enkeln in Barcelona, Kontonummern in Brüssel, Freunden in Rom, Kollegen in Budapest und so weiter.

Besser als mit diesem Europa der privaten Netzwerke kann man auch das Subsidiaritätsprinzip nicht begreifen und  mit Leben erfüllen, nach dem nicht der Brüsseler Wasserkopf, sondern die unterste Ebene entscheiden soll. Ich will ein Europa, das noch enger verzahnt ist, in dem Sprachbarrieren nicht mehr zählen, Menschen reisen und  neugierig bleiben, faire Arbeitschancen auch in anderen Ländern haben  und in dem vor allem ein schleichendes Gift endlich bekämpft wird, das sich seit dem Ausbruch der Euro-Krise immer mehr verbreitet hat: die Nabelschau, das Desinteresse am Leben der anderen.

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Das sind gefährliche Verschiebungen - das Wiedererstarken des Populismus ist eines der ersten Symptome. Stereotype erschlagen den Dialog auf Augenhöhe, man denke  nur etwa an die negativen Schlagzeilen über die „Südländer“, die mit ihrem finanzpolitischen Schlendrian angeblich den Deutschen das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Etwas weniger innenpolitisches Kalkül und mehr Unvoreingenommenheit den anderen gegenüber und die Bereitschaft, eigene Vorurteile einem Faktencheck zu unterziehen -  so sollte das Europa der Menschen aussehen. Dann wird das auch – positive - Konsequenzen in Brüssel haben. 

107 Kommentare

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  • 10.12.2012, 12:37 Uhrmondahu

    Ein teurer Nobelpreis - für Deutschland!

  • 10.12.2012, 12:41 UhrOmarius

    alles träumer die die geschichte vergessen...

    und übershen was für eine einbruch wir seit den 90ern haben....

    aber anscheind ist das ab ner bestimmten gehaltklasse egal wie es den untern einkommen geht...

  • 10.12.2012, 12:41 UhrOmarius

    In den 55 Jahren seit ihrer Gründung mit den Römischen Verträgen hat sie einen vom zweiten Weltkrieg völlig zerstörten Kontinent befriedet, geeint und wohlhabend gemacht.

    der freide geht auf die NATO zurück.... immer das verdrehen von tatsachen europa war nur dazu da D einzubinden...

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