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Mein Europa - zwölf Plädoyers für die Zukunft

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Regina Krieger: Weniger Nabelschau

Regina Krieger verantwortet die Literaturseite des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola
Regina Krieger verantwortet die Literaturseite des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Hans Magnus Enzensberger hat recht, wenn er Europa als das „Europa der Notizbücher“ beschreibt – und nicht das Europa des „sanften Monsters Brüssel“ wie eine seiner Streitschriften heißt: eine Vielzahl an Taschenkalendern mit Telefonnummern von Stuckateuren in Polen, Ferienhäusern in Kent, Geschäftspartnern in Oslo, Enkeln in Barcelona, Kontonummern in Brüssel, Freunden in Rom, Kollegen in Budapest und so weiter.

Besser als mit diesem Europa der privaten Netzwerke kann man auch das Subsidiaritätsprinzip nicht begreifen und  mit Leben erfüllen, nach dem nicht der Brüsseler Wasserkopf, sondern die unterste Ebene entscheiden soll. Ich will ein Europa, das noch enger verzahnt ist, in dem Sprachbarrieren nicht mehr zählen, Menschen reisen und  neugierig bleiben, faire Arbeitschancen auch in anderen Ländern haben  und in dem vor allem ein schleichendes Gift endlich bekämpft wird, das sich seit dem Ausbruch der Euro-Krise immer mehr verbreitet hat: die Nabelschau, das Desinteresse am Leben der anderen.

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Das sind gefährliche Verschiebungen - das Wiedererstarken des Populismus ist eines der ersten Symptome. Stereotype erschlagen den Dialog auf Augenhöhe, man denke  nur etwa an die negativen Schlagzeilen über die „Südländer“, die mit ihrem finanzpolitischen Schlendrian angeblich den Deutschen das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Etwas weniger innenpolitisches Kalkül und mehr Unvoreingenommenheit den anderen gegenüber und die Bereitschaft, eigene Vorurteile einem Faktencheck zu unterziehen -  so sollte das Europa der Menschen aussehen. Dann wird das auch – positive - Konsequenzen in Brüssel haben. 

108 Kommentare

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  • 15.12.2012, 20:06 UhrDrCoaleonesErbengemeinschaft

    Brüssel war 1966 de facto PLEITE und heute eine "blühende" Landschaft mit der Hauptsprache Französisch, obwohl zweisprachig, gleichrangig Flämisch (nicht Niederländisch) und mittlerweile können wir mit Vlaamse Tricks ook Duits spreken.

    Hätte de Gaulle der NATO nicht den Rücken gekehrt und sie hinausgeschmissen, vor allen Dingen der Hegemonie der US-Amerikaner wegen, ja wäre... und das ist Fakt, Belgien schon lange Land unter. Sie haben alle an der Europäischen Idee vortrefflich verdient. Und Deutschland gewiß auch; denn ansonsten hätte wir unsere Waren in der Schweiz und Österreich absetzen können. Österreich brauchte aus Deutschland keinen Stahl, nur den Koks und die Schweiz sammelte schon beizeiten weltweit Schrott, um diesen zu bearbeiten.

    Wenn hier einige über die Europäische Union und damit die europäische Idee insgesamt meinen, dann wissen einige offensichtlich nicht, daß eine Korrektur kommen wird. Dafür sorgt diesmal ein Sozialdemokrat als Europa-Parlaments-Präsident, Martin Schulz. Gönnen wir ihm die Einarbeitung und stehen ihm bei schwierigen Aufgaben gegen das Establishment bei. Er hätte es redlich verdient ein Korrektiv zu Merkel und anderen "Größen" zu sein. Europa ist für manche Konservative nur gut, wenn sie allerorten das Zepter schwingen dürfen.

    Aber diese Mentalität hatten wir doch schon einmal und ging vollends in die Hausse. Die anderen anwesenden Mitglieder der Union fahren gerne große Geschütze auf, geht es jedoch ans Eingemachte, da wird der Weißkohl schneller zur Choucroute, als gemeinhein ein Franzose den Weißwein eingießen mag. À là votre, Santé.

  • 13.12.2012, 15:03 Uhrchampus

    @Rapid
    „Das sind die Vorstellungen der Supereuropäer wie champus sie bevorzugt.“
    Mißverständis – der letzte Satz in meinem Beitrag ist quasi als „junktim“ zu verstehen. Der Kommentar von @Vicario unten entspricht meiner eigenen Vorstellung:
    „Die Franzosen werden niemals eine andere Sprache zulassen, als die Französische ! Damit ist alles gesagt ! Versucht man sich auf eine Sprache ausser der Französischen zu einigen, wäre das das Ende der EU ! Das ist evtl. die Lösung, wie man diesem Unsinn ein Ende bereitet und die EU-Utopie begräbt !“

  • 12.12.2012, 18:17 UhrEin_Sparsamer

    "Na, die Ironie haben Sie wohl nicht gemerkt, bei dem "Vorschlag" Esperanto als europäische "Amtssprache" einzuführen."
    ----------------------------
    Zugegebenermaßen ist mir die Ironie durchgegangen. Anderseits hat Ihre Ironie einen ernsthaften Hintergrund. Die würden sich tatsächlich m.E. eher auf eine Kunstsprache einigen als auf Englisch.
    Tatsache ist, daß neben den Regionalsprachen eine verbindliche Amtssprache wirklich notwendig wäre, alleine schon, um "Mißinterpretationen" von europäischen Gesetzesvorlagen zu vermeiden.

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