Friedensnobelpreis
Republikaner überziehen Obama mit Spott

Ein Friedensnobelpreisträger als Zielscheibe: Die Ehrung von Barack Obama spaltet die Gemüter, vor allem die Republikaner überziehen den Präsidenten mit Hohn und Spott. Immerhin einer äußert sich versöhnlicher: John McCain, Obamas Gegenkandidat bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr.
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HB WASHINGTON. Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Präsident Barack Obama ist in den USA vor allem bei Republikanern auf deutliche Kritik gestoßen. Der Parteivorsitzende Michael Steele erklärte, die Starqualitäten des Präsidenten hätten die Leistungen jener überstrahlt, die in unermüdlicher Arbeit tatsächlich etwas für Frieden und Menschenrechte erreicht hätten. Der Minderheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, und der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, John Boener, schwiegen zu Obamas Ehrung.

Der republikanische Abgeordnete Gresham Barrett, der sich um das Amt des Gouverneurs von South Carolina bewirbt, machte sich über die Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo lustig. „Ich weiß nicht, was der internationalen Gemeinschaft am besten gefallen hat: seine mangelnde Entscheidungsfreude bezüglich Afghanistan, der Abzug von Abwehrraketen aus Osteuropa, dass er Freiheitskämpfer in Honduras fallengelassen hat, Castro hätschelt, sich auf die Seite der Palästinenser gegen Israel geschlagen hat oder dass er gegen den Iran beinahe hart vorgegangen wäre“, erklärte Barrett.

Obamas republikanischer Gegenkandidat bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr, John McCain, äußerte sich versöhnlicher. Zwar könne er die Absicht des Nobelkomitees nicht erraten, aber er glaube, dass Erwartungen eine wichtige Rolle gespielt hätten. Er sei sicher, Obama wisse, dass an ihn nun noch höhere Erwartungen gestellt würden. „Aber als Amerikaner sind wir stolz, wenn unser Präsident eine Auszeichnung in dieser prestigeträchtigen Kategorie erhält.“

Zwei Politiker aus Obamas demokratischer Partei, die den Preis in der Vergangenheit bekamen, lobten die Osloer Entscheidung. Der frühere Präsident Jimmy Carter nannte den Schritt eine „mutige Erklärung internationaler Unterstützung für seine Vision und seinen Einsatz“. Und der frühere Vizepräsident Al Gore sagte, Obama habe den Preis extrem verdient.

Die Organisation Peace Action, die sich gegen den Krieg einsetzt, äußerte sich dagegen kritisch. Ihr Direktor Kevin Martin sagte, es sei eine Ironie, dass Obama die Auszeichnung am selben Tag zugesprochen bekomme, an dem das „Wall Street Journal“ berichte, dass die Regierung über die Entsendung bis zu 60 000 weiterer Soldaten nach Afghanistan nachdenke. „Präsident Obama muss beweisen, dass er wirklich eine Kraft für den Frieden ist.“

Der republikanische Gouverneur Arnold Schwarzenegger sagte, der Präsident habe gezeigt, dass er auf andere Länder zugehe und Amerika wieder als Führungsmacht für Frieden und Wohlstand positioniere. „Dies ist eine große Ehre für unser Land und erinnert uns alle an die Verheißung, die unsere Nation bereithält.“

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