Friedensnobelpreis verliehen
„Symbol für gewaltfreien Widerstand“

Der Dissident Liu Xiaobo bekommt als erster Chinese den Friedensnobelpreis - in Abwesenheit des Preisträgers ist in Oslo der Preis verliehen worden. Lius Stuhl blieb leer, während die Behörden in Peking ihren Druck auf Kritiker noch verschärften. Doch das hat die Wirkung des Friedesnobelpreises für Liu Xiaobo nur noch verstärkt.
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HB OSLO/STOCKHOLM/PEKING. Ein leerer Stuhl und wütende Reaktionen aus Peking: Erstmals seit 1936 konnte der Friedensnobelpreis nicht übergeben werden. Preisträger Liu Xiaobo saß tausende Kilometer entfernt im Gefängnis, und auch Angehörige und Freunde durften nicht aus China ausreisen.

Bei der feierlichen Zeremonie am Freitag im Rathaus von Norwegens Hauptstadt Oslo rief Nobelkomitee-Chef Thorbjørn Jagland nochmals die Begründung in Erinnerung, mit der Liu der Friedensnobelpreis verliehen wurde - "für seinen langen gewaltlosen Kampf für Menschenrechte in China". Liu sei in seiner Bedeutung für China mit der von Nelson Mandela für Südafrika zu vergleichen.

Unter einem riesigen Foto des eingekerkerten Preisträgers verlangte Jagland dessen sofortige Freilassung: „Liu hat seine Menschenrechte wahrgenommen und nichts Unrechtes getan.“ Zum zweiten Mal in der 109-jährigen Geschichte des Friedensnobelpreises konnte das norwegische Komitee weder das Diplom noch die Nobelmedaille an den Preisträger oder Angehörige überreichen. Jagland legte sie für den Liu auf dessen leeren Stuhl. Er drückt sein Bedauern aus, dass der Preisträger nicht anwesend ist - und sagt dann den vielleicht wichtigsten Satz seiner Rede: "Diese Tatsache allein beweist, dass die Vergabe notwendig und richtig war." Für die Standing Ovations erhebt sich auch das Königspaar.

Vorher war dies ähnlich nur 1936 nach der Auszeichnung des deutschen Publizisten Carl von Ossietzky (1889-1938) geschehen. Damals hatten die Nationalsozialisten in Berlin sowohl dem lange inhaftierten Preisträger wie auch Vertrauten verboten, den Preis Preis in Oslo entgegenzunehmen.

14 Länder, darunter Russland, Ägypten und Afghanistan, folgten einem Aufruf der chinesischen Führung und boykottierten die Verleihungszeremonie in Anwesenheit von Norwegens König Harald V. Im eigenen Land verschärften Chinas Behörden noch einmal den Druck auf Kritiker.

Seit der Verkündung des Namens des Friedensnobelpreisträgers vor zwei Monaten sind Dutzende Aktivisten und Kritiker unter Hausarrest gestellt, in Haft genommen oder eingeschüchtert worden. Prominentes Opfer der Verfolgung wurde am Donnerstag Zhang Zuhua, der neben Liu Xiaobo an der Veröffentlichung der „Charta 08“ vor zwei Jahren beteiligt war.

Der Bürgerrechtler sei am Donnerstag in Peking auf der Straße von Staatssicherheitsbeamten in einen Kleinbus gezerrt und verschleppt worden, berichtete die Menschenrechtsgruppe CHRD. Ähnlich seien in der Hauptstadt der Akademiker Cui Weiping und der Journalist Gao Yu sowie in Xi'an der Aktivist Yang Hai und der Bürgerrechtsanwalt Zhang Jiankang in Gewahrsam der Sicherheitsbehörden genommen worden.

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