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Mein Europa - zwölf Plädoyers für die Zukunft

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Wolfgang Drechsler ist Korrespondent in Südafrika. Quelle: Nicole Nelissen
Wolfgang Drechsler ist Korrespondent in Südafrika. Quelle: Nicole Nelissen

Wolfgang Drechsler (Kapstadt): Werte neu entdecken

Wer seit über 25 Jahren in der Ferne lebt, noch dazu in einem noch immer von Einparteienstaaten und Stammesdenken geprägten Kontinent wie Afrika, lernt Europa ganz neu wertschätzen. Was ich an Europa vor allem liebe, ist die enorme Vielfalt auf kleinem Raum - und seine insgesamt hohe politische Toleranz. Im Gegensatz dazu wird die Demokratie in Afrika allzu oft als ein Nullsummenspiel verstanden, das nur Sieger und Besiegte kennt - und die Opposition auslöscht. 

Deshalb wünsche ich mir, dass Europa über alle gegenwärtigen Probleme hinweg seine gemeinsamen, über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Wurzeln und Werte neu entdeckt und in der neuen, globalisierten Welt offensiv verteidigt. Ein Rechtsstaat wie wir ihn fast überall in Europa haben und als selbstverständlich betrachten, ist, wie ich aus Afrika weiß, ein extrem fragiles Gebilde, das täglich aufs neu gelebt und verteidigt werden will. Wir haben in Europa über die letzten 500 Jahre mit der liberalen Demokratie und Marktwirtschaft Systeme geschaffen, die uns gerade gegenüber vermeintlich übermächtigen Konkurrenten wie China auf Dauer einen enormen Wettbewerbsvorteil bescheren wird.

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Allerdings kann Europa nur gemeinsam stark sein, weil es in diesem neuen Wettbewerb der Systeme auch der kritischen Masse bedarf. Als jemand, der seit Jahren von außen auf Deutschland blickt, bin ich jedenfalls überzeugt, dass Europa in seinem Inneren viel mehr Substanz und Kraft hat als viele Bedenkenträger derzeit glauben machen.

108 Kommentare

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  • 15.12.2012, 20:06 UhrDrCoaleonesErbengemeinschaft

    Brüssel war 1966 de facto PLEITE und heute eine "blühende" Landschaft mit der Hauptsprache Französisch, obwohl zweisprachig, gleichrangig Flämisch (nicht Niederländisch) und mittlerweile können wir mit Vlaamse Tricks ook Duits spreken.

    Hätte de Gaulle der NATO nicht den Rücken gekehrt und sie hinausgeschmissen, vor allen Dingen der Hegemonie der US-Amerikaner wegen, ja wäre... und das ist Fakt, Belgien schon lange Land unter. Sie haben alle an der Europäischen Idee vortrefflich verdient. Und Deutschland gewiß auch; denn ansonsten hätte wir unsere Waren in der Schweiz und Österreich absetzen können. Österreich brauchte aus Deutschland keinen Stahl, nur den Koks und die Schweiz sammelte schon beizeiten weltweit Schrott, um diesen zu bearbeiten.

    Wenn hier einige über die Europäische Union und damit die europäische Idee insgesamt meinen, dann wissen einige offensichtlich nicht, daß eine Korrektur kommen wird. Dafür sorgt diesmal ein Sozialdemokrat als Europa-Parlaments-Präsident, Martin Schulz. Gönnen wir ihm die Einarbeitung und stehen ihm bei schwierigen Aufgaben gegen das Establishment bei. Er hätte es redlich verdient ein Korrektiv zu Merkel und anderen "Größen" zu sein. Europa ist für manche Konservative nur gut, wenn sie allerorten das Zepter schwingen dürfen.

    Aber diese Mentalität hatten wir doch schon einmal und ging vollends in die Hausse. Die anderen anwesenden Mitglieder der Union fahren gerne große Geschütze auf, geht es jedoch ans Eingemachte, da wird der Weißkohl schneller zur Choucroute, als gemeinhein ein Franzose den Weißwein eingießen mag. À là votre, Santé.

  • 13.12.2012, 15:03 Uhrchampus

    @Rapid
    „Das sind die Vorstellungen der Supereuropäer wie champus sie bevorzugt.“
    Mißverständis – der letzte Satz in meinem Beitrag ist quasi als „junktim“ zu verstehen. Der Kommentar von @Vicario unten entspricht meiner eigenen Vorstellung:
    „Die Franzosen werden niemals eine andere Sprache zulassen, als die Französische ! Damit ist alles gesagt ! Versucht man sich auf eine Sprache ausser der Französischen zu einigen, wäre das das Ende der EU ! Das ist evtl. die Lösung, wie man diesem Unsinn ein Ende bereitet und die EU-Utopie begräbt !“

  • 12.12.2012, 18:17 UhrEin_Sparsamer

    "Na, die Ironie haben Sie wohl nicht gemerkt, bei dem "Vorschlag" Esperanto als europäische "Amtssprache" einzuführen."
    ----------------------------
    Zugegebenermaßen ist mir die Ironie durchgegangen. Anderseits hat Ihre Ironie einen ernsthaften Hintergrund. Die würden sich tatsächlich m.E. eher auf eine Kunstsprache einigen als auf Englisch.
    Tatsache ist, daß neben den Regionalsprachen eine verbindliche Amtssprache wirklich notwendig wäre, alleine schon, um "Mißinterpretationen" von europäischen Gesetzesvorlagen zu vermeiden.

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