Frisches Geld für Athen
Die griechische Tragödie

Noch bangen die Griechen um die sechste Rate des Hilfspakets. Alles deutet darauf hin, dass die Zitterpartie heute Abend ein gutes Ende nimmt – vorerst. Denn gerettet ist das Land damit keineswegs.
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AthenAcht Milliarden Euro sollen jetzt nach Athen fließen, die sechste Rate des insgesamt 110 Milliarden Euro umfassenden Hilfspakets, das die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) im Frühjahr 2010 für Griechenland schnürten. Zwei Drittel der Kredite entfallen auf die Eurostaaten, ein Drittel auf den IWF. Bisher wurden 65 Milliarden an Athen ausgezahlt,  mit der jetzt erwarteten sechsten Rate wären es 73 Milliarden. Doch wirklich geholfen hat die Hilfe nicht. Das Rettungskonzept ist obsolet. Es hat sich als unzureichend erwiesen.

Die im Frühjahr 2010 gehegte Hoffnung, Griechenland werde schon ab 2012 schrittweise an die Finanzmärkte zurückkehren können, um sich zu refinanzieren, hat sich längst zerschlagen. Ein zweites Rettungspaket musste her. Im Juli wurde es geschnürt. Es sah reduzierte Zinsen und längere Laufzeiten für die bereits gewährten Hilfskredite sowie einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger von 21 Prozent vor. Doch auch das neue Konzept, mit dem die EU-Staatenlenker den Flächenbrand der Eurokrise einzudämmen hofften, war schon wenig später Makulatur.

Auf ihrem Krisengipfel am 26. und 27. Oktober beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU daher weitere Hilfskredite von 130 Milliarden Euro und einen „freiwilligen“ Forderungsverzicht der privaten Gläubiger von 50 Prozent. Damit soll Griechenlands Schuldenquote bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden -  immer noch das Doppelte dessen, was der EU-Stabilitätspakt als Obergrenze vorschreibt. So bescheiden sind die Ansprüche inzwischen.

Kann Griechenland sich damit wenigstens aus der Schuldenfalle befreien? Der Hair Cut, über den Athen jetzt mit den Banken verhandelt, ist dafür von großer, aber nicht von allein entscheidender Bedeutung. Ebenso wichtig ist es, dass sich Griechenland aus dem Teufelskreis der nun bereits seit vier Jahren andauernden Rezession befreien und auf den Wachstumspfad zurückkehren kann. Danach sieht es allerdings bisher nicht aus. Die Bank von Griechenland erwartet in ihrer jüngsten Prognose für 2011 einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung „um 5,5 Prozent oder etwas mehr“.

Kommentare zu " Frisches Geld für Athen: Die griechische Tragödie"

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  • Merkwürdig, wie in dem Artikel 2 unterschiedliche Erzählungen im Text des Athener Handelsblatt-Korrespondenten nebeneinander her laufen:
    - "Das Griechenland-Rettungskonzept der EU krankte von Anfang an daran, dass es dem Land ..... zu hohe Zinsen und viel zu kurze Tilgungsfristen aufbürdete, zugleich aber keinerlei wachstumsfördernden Elemente enthielt"
    und
    - "Ausbrechen könnte das Land aus dieser Ausweglosigkeit wohl nur, wenn es auf den Wachstumspfad zurückkehrt. Ein Weg wäre die entschlossene Umsetzung der Strukturreformen, die Griechenlands Wirtschaft international wieder wettbewerbsfähig machen könnten. Aber die reformfeindlichen griechischen Gewerkschaften und die etablierte politische Klasse mauern."

    Ja also: wie sollen unter solchen Bedingungen "wachstumsfördernde Elemente" (sprich: noch mehr Geld für die Griechen!) überhaupt wirksam werden?
    Botschafter werden regelmäßig in andere Länder versetzt, damit sich die Interessen ihres Gastlandes über ihr Vaterland stellen.
    Bei Korrespondenten wäre das vielleicht ebenfalls angebracht?!!

  • Erstens bluten wir Deutsche auch, und zwar nicht nur für Griechenland.

    Zweitens, Reklamationen bitte richten an:
    - Euere Papadopoulos & Karamanlis etc., die Euch mit goldenen Versprechungen in die Schulden getrieben haben
    - Euere Gewerkschaften, die einer Clique von Überbezahlten ein schönes Leben ermöglichen / ermöglichten
    - Eueren Finanzbeamten, die sich weigern Steuern wirklich einzutreiben
    - die Euro-Wahnsinnigen, die nicht glauben wollen / wollten dass Länder wie Griechenland ohne Währungsanpassungen dem internationalen Wettbewerbsdruck nicht satndhalten können.

  • An die Redaktion: Der griechische Diktator heisst nicht Giorgos Papadopoulos sondern Georgios Papadopoulos. Giorgos Papadopoulos ist ein Sänger!

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