Frist für Siedler abgelaufen - Zwangsräumung begonnen
Tödlicher Zwischenfall überschattet Gaza-Abzug

Mit Beginn der Zwangsräumung im Gaza-Steifen ist der Protest der israelischen Siedler und Abzugsgegner am Mittwoch eskaliert. Eine Siedlerin zündete sich an und überlebte schwer verletzt. Viele Menschen schlugen um sich, als sie zwangsweise aus den Häusern und Synagogen geholt wurden. Im Westjordanland erschoss ein radikaler Israeli mehrere Palästinenser.

HB NEWE DEKALIM/JERUSALEM. Mehr als 15 000 Polizisten und Soldaten evakuierten die 21 jüdischen Siedlungen am Mittwoch trotz Handgreiflichkeiten und Protesten der Einwohner schneller als erwartet, nachdem um Mitternacht eine Frist für den freiwilligen Abzug abgelaufen war. Jedoch wurde die Aktion von tödlichen Zwischenfällen überschattet.

Im Westjordanland habe sich ein Siedler, der 38-jährige Kraftfahrer Ascher Weisgan, eine Schusswaffe von Sicherheitsleuten am Tor von Schilo gegriffen, berichteten israelische Medien. Dann eröffnete er das Feuer auf sein eigenes Fahrzeug, in dem er die palästinensischen Arbeiter der nahen Industriezone gefahren hatte, sowie auf andere Palästinenser. Anschließend wurde er von Wachleuten überwältigt und festgenommen.

» Fotostrecke: Abzug aus dem Gaza-Streifen

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon verurteilte die Tat im Radio als „schwerwiegende Attacke gegen unschuldige Palästinenser“. Nach Einschätzung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas war es Ziel des Attentäters den Friedensprozess zu stören. An die Palästinenser appellierte er, Ruhe zu bewahren und den Israelis keinen Vorwand zum Abbruch des Abzugs aus dem Gazastreifen zu liefern. Die radikal-islamische Bewegung Hamas drohte mit Vergeltung. „Dieses Verbrechen wird nicht ohne Bestrafung hingenommen“, sagte Hamas-Sprecher Muschir al-Masri in Gaza-Stadt. Die radikale Gruppe Islamischer Dschihad verurteilte den Vorfall ähnlich scharf, erklärte jedoch, Vergeltungsschläge würde es gegebenenfalls nur im Westjordanland oder in Israel selbst geben - nicht aber im Gaza-Streifen. Im Westjordanland leben etwa 230 000 Juden unter 2,4 Mill. Palästinensern.

Im Gazastreifen widersetzen sich Tausende Siedler und auswärtige Demonstranten zunächst mit Handgreiflichkeiten und lautstarken Protesten, fügten sich dann aber mehrheitlich doch Anordnungen der Sicherheitskräfte. Zwei Drittel der 1550 registrierten Siedlerfamilien seien abgefahren, sagte ein Armeesprecher. Mit Kerem Atzmona, Morag, Bedolach, Tel Katifa, Ganei Tal seien fünf von sechs Siedlungen vollständig geräumt worden, in die am Morgen Polizisten und Soldaten eingerückt waren.

Der zuständige Regierungskoordinator Eval Giladi erklärte, die Siedlungen könnten binnen 48 Stunden geräumt werden. Die Europäische Union begrüßte den Abzug. „Dies ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zur Umsetzung des Friedensplans“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel.

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