Front National
Das blonde Gift vom rechten Rand

Viele haben sie unterschätzt, jetzt ist Marine Le Pen die heimliche Siegerin der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl. Sie hat die rechtsextreme Front National zur drittstärksten Kraft gemacht.
  • 18

ParisAls einzige an diesem Wahlabend strahlte Marine Le Pen. Sie hat allen Grund: Die rechtsextreme Front National ist nicht nur die drittstärkste politische Kraft geworden und hat die Linksfront auf den vierten Platz verwiesen. Sie hat mit gut 18 Prozent auch ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren, als alle Demoskopen vorausgesagt haben. "Das ist der Anfang von einer großen Sammlungsbewegung aller Patrioten von rechts und links, die Schlacht um Frankreich beginnt erst", heizte die 43-jährige ihren Anhängern ein. Ihre Partei erklärte sie zur "einzigen echten Opposition gegen die Parteien der Banken, der Finanzen und der Multis." Sie spielt geschickt mit klassischem rechtsradikalem Gedankengut, ohne sich Blößen zu geben.

Frankreich wählt paradox: Es macht einen Sozialisten zum kaum zu schlagenden Favoriten für die Stichwahl und stärkt gleichzeitig die extreme Rechte. Marine Le Pen hat alles auf eine Strategie gesetzt, die in Frankreich "dédiabolisation" genannt wird. Sie hat die hässlichen rechtsradikalen Sprüche ihre Vaters verbannt - zum Ärger vieler Parteifreunde. Auch hetzt sie nicht vor allem gegen Zuwanderer und Muslime, sondern gibt sich als Verteidigerin der "Franzosen, die leiden." Konservative und Linke sind für sie die "Systemparteien". Weil sie die Globalisierung, den entgrenzten Kapitalismus, die Banken zu ihren Feinden erklärt, ist sie auch für enttäuschte und verwirrte Linkswähler akzeptabel. Dass sie gegen Zuwanderung ist, weiß sowieso jeder.

Fast ein Fünftel der Wähler - das macht die Front National zur stärksten rechten Kraft in Europa. Mit rechtspopulistischen Parteien ist sie nicht vergleichbar. Frankreich hat eine Tradition der extremen, antisemitischen, dem Nazismus zuneigenden Rechten. Das Land hat zwar die Geschichte der Kollaboration in den vergangenen Jahren vorbildlich aufgearbeitet. Doch was davor war, dass es auf der äußersten Rechten Frankreichs genügend Leute gab, die den Sieg der Nazis herbeisehnten, um mit Kommunisten und Juden aufräumen zu können, ist noch immer kein großes Thema. Das hat zur Folge, dass rechtsextremes Gedankengut in Frankreich nicht so diskreditiert und verpönt ist wie in Deutschland.

Die aktuellen Probleme kommen hinzu: Viele Franzosen sind von Europa enttäuscht. Sie hatten gehofft, dass die EU sie vor den Zumutungen der Globalisierung schützen würde wie eine Art Maginot-Linie. Die Anstrengung permanenter Anpassung und Modernisierung, so suggerierten gemäßigte Rechte wie Linke, könne dem Land erspart werden.
Le Pen setzt am wirtschaftlichen Niedergang des Landes an und kommt mit einfachen Lösungen: Grenzen dicht machen. Euro abschaffen. Ausländer rauswerfen. Und die Zinsen will sie senken, indem die Zentralbank Geld druckt.

Sarkozy hat im Wahlkampf nicht die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten gesucht, sondern deren Themen aufgegriffen und verstärkt. Prominentestes Beispiel: Eine absurde Debatte über Halal-Fleisch. Erst bestritt Sarkozy, dass dies ein Problem sei, doch nur wenige Tage später schwenkte er um und behauptete, die großen Mengen geschächteter Tiere seien eines der ernstesten Probleme der Franzosen. Ähnlich lief es beim Thema Zuwanderung, wo Sarkozy den Tonfall verschärft hat, je stärker er in den Umfragen zurückfiel. Und bei der Schengen-Thematik: Auch hier läuft Sarkozy mit seiner Forderung, die offenen Binnengrenzen nötigenfalls dicht zu machen, hinter der Front National her. Unverantwortlich, dass die Bundesregierung ihn dabei noch unterstützt.

Bei dieser Wahl ist es gekommen, wie so häufig: Die Franzosen haben das Original gewählt, nicht die Imitation. Bedenklich ist, dass dieser Prozess der politischen Infantilisierung sich nicht so leicht zurückdrehen lässt, wie Sarkozy ihn befördert hat.









Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Front National: Das blonde Gift vom rechten Rand"

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  • Verstehen das HB nicht, dass sie es mit denkfähigen Lesern zu tun hat, die diese Propagandasauce nicht schlucken. Und was soll der Unsinn mit dem 'blonden Gift' - das ist einfach primitiv und des HBs wirklich nicht würdig.

    Nun zur Sache:

    Ihre Partei erklärte sie zur "einzigen echten Opposition gegen die Parteien der Banken, der Finanzen und der Multis." Das stimmt wohl.

    "Das ist der Anfang von einer großen Sammlungsbewegung aller Patrioten von rechts und links, die Schlacht um Frankreich beginnt erst.' Hoffen wir es!

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    http://www.abgeordneten-check.de/email/larumdarum/85.html




    Mehr zum ESM und warum er so gefährlich ist unter

    

http://www.freiewelt.net/video-34/zivile-koalition

    http://www.stop-esm.org/home

  • Bin ja mal gespannt, ob EU-Kommissarin Viviane Reding jetzt weiter für die Frauenquote in wichtigen Vorständen kämpft, natürlich auch Parteivorständen, nachdem die Frauen, die dort ankommen, einfach einen eigenen Willen haben und sich derart inkorrekt verhalten. Vermutlich bereitet Reding bereits eine neue EU-Verordnung vor, nach der nur Frauen in Vorstände berufen werden dürfen, die einen Eid auf die Dogmen des Feminismus der 60er Jahre abgelegt haben...

  • Zustimmung
    Aber ich denke mal, das wird bei uns auch ein Umdenken bewirken.
    Wir haben in Holland die rechte Partei, in Finnland die wahren Finnen, in Österreich, jetzt mit enormen Zulauf in Frankreich unserem direkten Nachbarn, das wird so hoffe ich, auch zu uns überschwappen
    Vielleicht werden dadurch die Partei der Freiheit, Pro NRW gestärkt.
    Es fehlt eine rechte eine konservative Partei in unserem Land als Gegengewicht zu den übrigen nur noch linken Parteien.
    Früher deckte das die CDU ab, aber das ist nicht mehr seit Merkel

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