Front National in Frankreich
Marine Le Pen verliert Regionalwahlen

Die rechtsextreme Front National ist bei der französischen Regionalwahl leer ausgegangen. Das liegt vor allem daran, dass Konservative und Linke vielerorts zusammen standen. Doch die Gefahr ist noch längst nicht vorbei.

ParisDie rechtsradikale Front National (FN) hat in der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen am Sonntag keine einzige Region des Landes gewinnen können. In allen zwölf Regionen von Festland-Frankreich liegen die Kandidaten der demokratischen Parteien vorn. In Korsika gewinnt eine regionale Liste. Marine Le Pen als Vorsitzende der FN räumte die Niederlage ein: „Wir werden die stärkste Partei der Opposition sein.“ Sie sprach aber dennoch von einem „unaufhaltsamen Aufstieg der nationalen Sammlungsbewegung.“ Die FN habe ihren Stimmenanteil landesweit sogar noch gesteigert und komme auf 30 Prozent. „Im Norden und im Südosten haben wir die Sozialisten ausgemerzt.“ jubelte Le Pen – der die tiefe Enttäuschung dennoch deutlich anzusehen war.

Nach dem triumphalen Sieg der FN im ersten Wahlgang hatte die Front auf bis zu vier Regionen oder sogar mehr gehofft. „Wir sind knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt“, sagte ein Vertreter der Linken. Auch dort, wo die FN im ersten Durchgang am 6. Dezember am besten abgeschnitten hatte – Nord-Pas-de- Calais-Picardie und Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) sowie Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine – können die gemäßigten Konservativen im Bündnis mit den Parteien der Mitte die Wahl für sich entscheiden. Im Norden und in PACA hatten die sozialistischen Kandidaten sich zurückgezogen, um die Chancen der an zweiter Position liegenden Konservativen Xavier Bertrand und Christian Estrosi zu erhöhen. Am Ende lag Bertrand im Norden wohl mindestens fünf Prozentpunkte vor der FN-Chefin Le Pen, Estrosi könnte in PACA sogar mehr als zehn Punkte Vorsprung vor der Le Pen-Nichte Marion haben.

„Man wird sich später einmal daran erinnern, dass wir hier den Aufstieg der Front National gestoppt haben“, sagte ein sehr ernst wirkender Bertrand in einer ersten Reaktion. Ausdrücklich dankte er den Wählern der Linken, die für ihn gestimmt und damit eine „Barriere gegen die Front Nationale errichtet“ hätten. Doch der Konservative warnte die gemäßigten Parteien: Die Gefahr, die von der FN ausgeht, sei nicht gebannt. „Seit Jahren sagt die politische Klasse nach jeder Wahl, nichts sei mehr wie früher, doch was hat sie getan?“ Nun habe man die letzte Chance, „das Land zu reformieren“ und damit der Demagogie der FN den Boden zu entziehen. Sein Parteifreund Estrosi zeigte sich ebenfalls reumütig: „Wir haben in der ersten Runde der Regionalwahlen ein Erdbeben erlebt, wir brauchen dringend eine neue, soziale Politik.“ Er fügte hinzu: „Hass und Sektierertum dürfen nicht eines Tages gewinnen.“

Im Osten Frankreichs war mit einem Sieg des FN-Vizechefs Florian Philippot gerechnet worden. Dort weigerte der Sozialist Jean-Pierre Masseret sich trotz starken Drucks seiner eigenen Mitkandidaten, seine Liste aus dem Rennen zu nehmen. Dennoch konnte der konservative Bewerber Philippe Richert den FN-Mann Philippot besiegen. Die Erfolge der Demokraten wurden offenbar nicht nur durch die Übertragung linker Stimmen auf die Kandidaten der Konservativen, sondern auch durch eine höhere Wahlbeteiligung ermöglicht. Die schnellte ersten Schätzungen nach um fünf bis neun Prozent hoch.

Fünf Regionen gehen an die Sozialisten, sieben an die konservativen „Republikaner“. Alle drei Schwergewichte der FN haben ihr Ziel verfehlt, eine der drei großen Regionen sechs Jahre lang regieren zu können. Auch Louis Aliot, ein weiterer Stellvertreter von Le Pen und ihr Lebensgefährte, konnte in Languedoc-Roussillon nicht die Spitzenposition behaupten, die er im ersten Durchgang erreicht hatte. Die Führung der FN hatte sehr auf den Gewinn mehrerer Regionen gehofft, um ihre vermeintliche Regierungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

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