Front National in Frankreich
Wie faschistisch ist die Partei von Marine Le Pen?

Marine Le Pen war mit ihrer Front National die Gewinnerin des ersten Wahlgangs der Regionalwahlen in Frankreich. Wolfgang Schäuble bezeichnete die Partei kürzlich als „faschistisch“. Hat er übertrieben? Eine Analyse.
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ParisDie Gewinnerin des ersten Wahlgangs der französischen Regionalwahlen war Marine Le Pen. Als Vorsitzende der Front National (FN) hat sie die Partei zur Gruppierung mit den meisten Stimmen gemacht. Genau wie ihre Nichte Marion, die in Provence-Alpes-Côte d’Azur kandidiert.

Die hat auch im Ausland Interesse geweckt, wo man lange weggeschaut hat. Wie radikal rechts ist die Front noch? Hat sie sich von einer rechtsextremen zu einer nur noch rechtspopulistischen Partei gemausert?

Ein Datum wird in diesem Kontext oft angeführt: Der 20. August dieses Jahres. An diesem Tag ließ Marine ihren Vater Jean-Marie, den Mitgründer und Ehrenvorsitzenden der Partei, ausschließen. (Was dieser erfolgreich vor Gericht angefochten hat.) Sie begründete das mit wiederholten antisemitischen Provokationen und Sympathiebekundungen für den Nazi-Kollaborateur Pétain seitens ihres Vaters.

Für Marine und ihren Stellvertreter und wichtigsten Vordenker Florian Philippot war das ein schwieriger, aber entscheidender Schritt. Er soll deutlicher als jede verbale Äußerung die Trennung der FN von jeder Form des Antisemitismus beweisen: Wer sogar seinen Vater ausschließt, dem kann man wohl keine rechtsextremen Sympathien mehr vorwerfen!

Doch wie viel faschistoide Einstellungen stecken tatsächlich noch in der FN? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Partei kürzlich als „faschistisch“. Hat er übertrieben?

Drei Anhaltspunkte können uns bei der Antwort helfen: die ideologischen Positionen, die die Front auch heute noch vertritt; die persönlichen Verbindungen zwischen der Führung der FN und der harten rechten Szene und die Einstellungen ihrer Sympathisanten.

Für viele ihrer Wähler hat die FN nicht das geringste mit faschistischen Parteien zu tun – schon weil sie nach dem Krieg gegründet wurde. Marine Le Pen vermeidet es, Anflüge von Antisemitismus zu zeigen oder den Holocaust zu leugnen oder zu verharmlosen wie ihr Vater. Die Rhetorik der FN-Führerinnen und Führer jedoch schöpft aus den Quellen des Rechtsextremismus der 20er- und 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Am vergangenen Sonntagabend, als sie ihren Sieg feierte, sprach Marine nicht mehr von der Front National, sondern nur noch von der „nationalen Bewegung“ oder „den Nationalen“. Das sei „ein alter Standard der Rechtsextremen, wonach nur die nationale Bewegung die Vertreterin des ‚gesunden Volks‘ und der ‚echten Franzosen‘ oder Patrioten ist“, analysiert der Politologe Jean-Yaves Camus.

Kommentare zu " Front National in Frankreich: Wie faschistisch ist die Partei von Marine Le Pen?"

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    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Tja Freunde der Regierung, Le Pen, die tut Euch weh, denn es geht zu Einigkeit und Recht und Freiheit zurück ganz nach Grundgesetz und das mögt Ihr gar nicht.

  • Wieso wollen heutzutage eigentlich die Nazis keine Nazis mehr sein, die Faschisten auf keinen Fall faschistisch und am Ende sind die größten Sprücheklopfer immer feige Angsthasen, die vor Veränderung die Hosen voll haben.

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