Front National
Jean-Marie Le Pen fliegt aus seiner Partei

Sie will der Partei ein bürgerliches Image verpassen – und geht dabei über die Leiche des Gründers. Marine Le Pen hat den Führungsstreit in der Front National gewonnen – ihr Vater Jean-Marie wird ausgeschlossen.
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Paris/NanterreErdbeben bei Frankreichs Rechtsextremen: Die Front National (FN) hat ihren Gründer Jean-Marie Le Pen im Streit um antisemitische Provokationen aus der Partei geworfen. Das Exekutivbüro als höchstes Parteiorgan beschloss am Donnerstagabend "mit der erforderlichen Mehrheit" den Ausschluss des 87-Jährigen, wie die Front National in einer kurzen Stellungnahme mitteilte. Parteichefin Marine Le Pen hatte im April mit ihrem Vater gebrochen.

„Die vollständige und begründete Entscheidung wird Herrn Le Pen in Kürze übermittelt“, erklärte die Front National in einer nur zwei Sätze langen Mitteilung. Zuvor hatte sich der FN-Ehrenvorsitzende drei Stunden lang vor der Parteiführung wegen seiner antisemitischen Äußerungen verantworten müssen.

Der Europaabgeordnete hatte zuletzt Anfang April die NS-Gaskammern als „Detail“ der Geschichte des Zweiten Weltkriegs bezeichnet. Die Parteiführung wirft dem Parteipatriarchen aber auch vor, in der folgenden Fehde seine Tochter wiederholt persönlich attackiert – „Ich schäme mich, dass die Vorsitzende der FN meinen Namen trägt“ – und schwere Angriffe gegen ihre rechte Hand Florian Philippot gefahren zu haben. Bereits Anfang Mai ließ die Front-National-Führung Le Pens Parteimitgliedschaft außer Kraft setzen. Ein Gericht kassierte diese Entscheidung aber aus formellen Gründen.

Auch Marine Le Pens Versuch, ihrem Vater den Ehrenvorsitz der Front National zu entziehen, schlug fehl: Zwar sprachen sich 94 Prozent der FN-Mitglieder bei einer schriftlichen Befragung dafür aus, den Titel des Ehrenvorsitzenden aus den Parteistatuten zu streichen. Ein Gericht hatte diese Briefwahl aber schon vor ihrem Ende für ungültig erklärt. Die Richter argumentierten, für eine Änderung der Parteistatuten sei ein außerordentlicher Parteitag nötig.

Die Parteichefin und Partei-Vize Philippot nahmen am Donnerstag nicht an der Sitzung des Exekutivbüros teil - sie wollten nicht zugleich "Richter und Konfliktpartei" sein. Beide befürchten, ansonsten könnte eine Entscheidung des Gremiums wieder von der Justiz rückgängig gemacht werden. Jean-Marie Le Pen dürfte gegen seinen Rauswurf vor Gericht ziehen.

Marine Le Pen hatte Anfang 2011 die Führung der Front National von ihrem Vater übernommen, die dieser 1972 gegründet und dann vier Jahrzehnte angeführt hatte. Mit einer Abkehr von den offen antisemitischen und rassistischen Parolen des Parteigründers will sie der rechtsextremen Partei ein besseres Image verschaffen. Die Strategie scheint sich auszuzahlen: Bei der Europawahl im Mai 2014 wurde die FN erstmals stärkste Kraft in Frankreich. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 könnte Marine Le Pen Umfragen zufolge in die Stichwahl einziehen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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