Frühere First Lady
Nancy Reagan ist tot

Nancy Reagan war eine First Lady mit Einfluss. Nun ist die Ehefrau des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan im Alter von 94 Jahren gestorben. Die acht Jahre im Weißen Haus prägte sie entscheidend mit.

Washington Republikaner-Ikone mit Hollywood-Glamour: Die ehemalige First Lady Nancy Reagan, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Ronald Reagan acht Jahre im Weißen Haus verbrachte, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Die am 6. Juni 1921 als Anne Frances Robbins geborene frühere Filmschauspielerin war die zweite Frau von „Ronnie“, der 2004 nach einer Alzheimer-Erkrankung gestorben war.

Nancy Reagan liebte die glamourösen öffentlichen Auftritte während ihrer Zeit im Weißen Haus zwischen 1981 und 1989, aber sie hatte auch großen Einfluss auf ihren Mann und sein Team, das sie „Dragon Lady“ oder „Queen Nancy“ nannte. Gemeinsam mit Ronald hatte Nancy zwei Sprösslinge, außerdem adoptierte sie seine beiden Kinder aus erster Ehe.

Nancy Reagans Vater, ein Autoverkäufer, trennte sich kurz nach ihrer Geburt von der Mutter. Danach wuchs die junge Nancy zeitweise bei Tante und Onkel in Maryland an der Ostküste auf. Als ihre Mutter 1929 einen reichen Chirurgen heiratete, holte sie die Tochter wieder zu sich. 1935 nahm sie den Nachnamen ihres Stiefvaters, Davis, an.

Dank der guten Kontakte ihrer Mutter, die als Stummfilmschauspielerin gearbeitet hatte, wurde Tochter Nancy ebenfalls Schauspielerin und zog 1949 nach Hollywood. Sie spielte in mehreren erfolgreichen Filmen mit und lernte Ronald Reagan kennen, der zu dieser Zeit ebenfalls als Schauspieler in Hollywood arbeitete. 1952 heiratete das Paar. Fünf Jahre später standen sie für den Film „Hellcats of the Navy“ gemeinsam vor der Kamera.

„Unsere Beziehung ist etwas sehr Besonderes“, sagte Nancy Reagan 1998 in einem „Vanity Fair“-Interview. „Wir waren sehr verliebt und sind es noch immer. Wenn ich sage, dass mein Leben mit Ronnie begonnen hat, dann stimmt das. So war es. Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen.“ Bald ließ Nancy die Schauspielerei sein und kümmerte sich nur noch um ihre Familie und die aufstrebende politische Karriere ihres Mannes.

Aber von Beginn an fiel der an Hollywood-Lifestyle gewöhnten Frau die Anpassung an den drögen politischen Alltag schwer. Als ihr Mann zwischen 1967 und 1975 Gouverneur in Kalifornien war, entschied sich Nancy Reagan für ein schickes Familienhaus im Vorort anstatt der heruntergekommenen Gouverneursresidenz und erntete dafür scharfe Kritik.

Auch dem Weißen Haus drückte sie ihren Luxus-Stempel auf: Nachdem ihr Mann 1981 gegen den Demokraten Jimmy Carter gewonnen hatte, ließ sie das Anwesen renovieren und ersetzte sogar das teure Porzellan - ein auffälliger Kontrast zu der demonstrativen Sparpolitik des vorherigen Präsidenten.

Als bekannt wurde, dass Nancy Reagan Kleider und Schmuck im Wert von vielen Millionen Dollars von Designern geschenkt bekommen hatte, schlitterte die oft mit der legendären Jackie Kennedy verglichene First Lady nur knapp an einem Skandal vorbei. Trotzdem präsentierte sie die immer konservativ geschnittenen Kleider weiterhin gern bei öffentlichen Auftritten - am liebsten in knalligem Rot, bald als „Reagan-Rot“ bekannt.

Das Weiße Haus verwandelte sie in den bekanntesten Party-Schauplatz der Welt. 56 Staatsbankette veranstaltete Nancy Reagan - so viele wie keine Präsidentengattin vorher. Darunter auch das berühmte Abendessen für Michail Gorbatschow, der als erster Sowjet-Staatschef rund 20 Jahre nach Nikita Chruschtschow die US-Hauptstadt besuchte.

Mit dem Team im Weißen Haus geriet die First Lady immer wieder aneinander. Sie war als herrisch verschrien und soll sich unverfroren in Staats- und Personalangelegenheiten eingemischt haben. Mit Rat von Astrologen und Psychologen überarbeitete sie den Terminplan ihres Mannes - sehr zum Missfallen des Stabschef des Weißen Hauses, Donald Regan. Nachdem er bei einem Telefonat mit Nancy Reagan den Hörer auf die Gabel geknallt hatte, musste der Stabschef zurücktreten.

„Ich entschuldige mich nicht für mein Verhalten“, sagte Nancy Reagan der „New York Times“ kurz nach ihrer Zeit im Weißen Haus in einem bitteren Interview. „Die First Lady ... muss sich um ihren Mann kümmern, und das ist eine einzigartige und wichtige Rolle. Da ist es nur natürlich, dass sie ihn wissen lässt, was sie denkt. Ich habe das mit Ronnie immer so gemacht und werde es auch nie anders machen“, ergänzte sie in ihrer 1989 erschienenen Autobiografie.

Als ihr Mann an Alzheimer erkrankte, wurde Nancy Reagan zur prominentesten Aktivistin gegen die Krankheit. Nach seinem Tod 2004 setzte sie sich in einem mutigen Schritt trotz des Widerstands der Republikanischen Partei für die Stammzellenforschung ein. „Sie ist eine sehr, sehr starke Frau, auch wenn sie so zart aussieht“, analysierte CNN-Moderator Wolf Blitzer während der Beerdigung von Ronald Reagan.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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