Frühester Termin 2012
Polen zögert mit Euro-Einführung

Polnische Politiker favorisieren eine möglichst späte Übernahme der Gemeinschaftswährung. Auch die Zentralbank rechnet frühestens 2012 mit einer Währungsumstellung. Experten aus Wirtschaft und Finanzen drängen dagegen auf einen raschen Umstieg. Die wirtschaftlichen Daten sprechen dafür.

WARSCHAU. Polens nationalkonservative Führung schiebt die Übernahme des Euro auf die lange Bank. „Wir werden die Gemeinschaftswährung frühestens im Jahr 2012 einführen“, sagte Zentralbankchef Slawomir Skrzypek bei einer Eurokonferenz der deutschen EU-Präsidentschaft in Warschau. Auch die Chefin der Finanzkommission des Parlaments, Aleksandra Natalli-Swiat, sprach von einer verfrühten Diskussion. Die Nationalkonservativen um die Brüder Kaczynski, denen Skrzypek nahe steht, fürchten insbesondere die Abgabe von Souveränitätsrechten an die Europäische Zentralbank.

Dagegen verfechten die Verantwortlichen in der Wirtschaft und im Finanzsektor Polens mit großer Mehrheit eine möglichst frühe Einführung des Euro. Jeremi Mordasewicz von der Vereinigung polnischer Arbeitgeber und Marek Goliszewski vom „Business Centre Club“ haben dies wiederholt deutlich gemacht. Die wirtschaftlichen „Think Tanks“ des Landes liegen auf der gleichen Linie. Immerhin wird diese Haltung von der liberalen Bürgerplattform (PO) als größter Oppositionspartei unterstützt, wie eine PO-Abgeordnete bei der Warschauer Konferenz sagte.

Wirtschaftlich spricht die fortschreitende Konvergenz für eine zügige Übernahme der Gemeinschaftswährung. Polen verfügt über eine funktionierende Marktwirtschaft, die zunehmend in die globalen Märkte eingegliedert wird. Das Land wickelt inzwischen 80 Prozent seines Exports und 68 Prozent seines Imports mit der EU ab. Außerdem gilt Polen als wichtiges Ziel für ausländische Direktinvestitionen, die 2006 den Rekordwert von 11,3 Mrd. Euro erreichten. „Die wirtschaftliche Integration des Landes in die EU hat wesentlich zu dieser günstigen Entwicklung beigetragen“, sagte Bundesbankvorstand Hermann Remsperger in Warschau.

Auch gemessen an den EU-Konvergenzkriterien, so Remsperger, schneide Polen derzeit nicht schlecht ab. So zählte das Land im vergangenen Jahr mit einer Inflationsrate von 1,3 Prozent zu den stabilsten in Europa. Probleme gibt es vor allem mit dem Defizit im Staatshaushalt, das laut Konvergenzprogramm der Regierung erst 2009 mit 2,9 Prozent knapp unter dem Referenzwert liegen soll.

Immerhin hat sich die nationalkonservative Regierung von Premier Jaroslaw Kaczynski inzwischen von ihrer totalen Ablehnung des Euro verabschiedet. Finanzministerin Zyta Gilowska erklärte gegenüber EU-Kommissar Joaquin Almunia, im Jahr 2009 wolle man ein Referendum über das „wann“, nicht mehr über das „ob“ der Euroeinführung abhalten. Ministerpräsident Kaczynski scheint eingesehen zu haben, dass Polen in Brüssel weiter an Einfluss verliert, sollte es sich von der Gemeinschaftswährung verabschieden.

Polens künftiger Weg in Richtung Euro wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es der Regierung gelingt, die öffentlichen Finanzen nachhaltig zu reformieren. Finanzministerin Gilowska hat wiederholt ein entsprechendes Programm angekündigt, bislang aber nicht vorgelegt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%