Frust in den USA
Gewalt gegen USA im Irak wächst weiter

Der Tod des El-Kaida-Kommandeurs Abu Mussab el Sarkawi hat die Terrorgruppe nicht geschwächt, nun will sie sich als politische Kraft etablieren. US-Präsident George W. Bush weist alle Rückzugsforderungen zurück – doch der Frust wächst.

WASHINGTON/BAGDAD. Die Hoffnungen der USA auf ein Abflauen der Anschläge im Irak haben sich nicht bewahrheitet. Die US-Armee sei zunehmend besorgt über die eskalierende Gewalt, berichtet die New York Times mit Bezug auf Regierungs- und Militärkreise. Die Zahl der Bombenanschläge auf Konvois der amerikanischen und irakischen Armee sei im Juli – dem Monat nach dem Tod des irakischen El-Kaida-Führers Abu Mussab el Sarkawi – auf einen neuen Rekordstand gestiegen.

Nach offiziellen Armeeangaben explodierten allein im Juli über 1 666 entlang der Straßen versteckte Bomben; knapp 1 000 weitere konnten rechtzeitig entschärft werden. Im Januar waren es insgesamt nur 1 500 Bomben gewesen. „Die Angriffe der Aufständischen haben eine historische Höhe erreicht“, sagte ein US-Militär der Zeitung. Mehr als zwei Drittel dieser Angriffe richteten sich gegen die US-geführten Koalitionskräfte. Die Zeitung zitiert zudem einen Bericht des Militär-Geheimdienstes DIA, der davor warnt, dass der Irak endgültig in den Bürgerkrieg abzugleiten drohe.

Öffentlich zeigt sich US-Präsident George W. Bush von dieser Entwicklung unbeeindruckt. „Falls wir gehen, bevor der Auftrag erfüllt ist, wenn wir uns zurückziehen, dann wird der Feind uns nach Hause folgen“, sagte Bush auf einer Wahlkampfveranstaltung für den republikanischen Kandidaten für den Gouverneursposten im Bundesstaat Pennsylvania. Ein Rückzug käme einer Niederlage auf „einem der wichtigsten Schlachtfelder im Kampf gegen den Terror“ gleich, sagte Bush. „Wenn wir gingen, bevor unsere Mission erfüllt ist, würden wir einen terroristischen Staat im Herzen des Nahen Ostens schaffen.“ Mit dieser ersten Wahlkampfrede brachte sich Bush vor den Kongresswahlen im November gegen die Opposition in Stellung. Politiker im Lager der Demokraten hatten angekündigt, den Urnengang zu einem Referendum über die Irak-Politik der Regierung zu machen. Bushs Umfragewerte sind im Zuge des verlustreichen Irak-Einsatzes der US-Armee immer stärker in den Keller gerutscht.

Vor Bushs Rede musste sein Sprecher hochoffiziell dementieren, dass die Entwicklung im Irak den Präsidenten frustriert habe. Tony Snow widersprach Zeitungsberichten, denen zufolge Bush sich hinter verschlossenen Türen höchst besorgt gezeigt haben soll. Dabei habe er vor allem die Führungsstärke des irakischen Ministerpräsidenten Nuri el Maliki in Frage gestellt, hieß es in den Berichten. „Der Präsident unterstützt ganz sicher Ministerpräsident Maliki“, sagte Snow dazu. Bush sei beeindruckt von der Entschlossenheit des neuen Regierungschefs im Irak und erwarte von Maliki nicht, dass er die zahlreichen Problemen im Land „von heute auf morgen“ bewältige.

Die US–Regierung hatte zuvor darauf gesetzt, dass die Gewalt nach dem Tod von Sarkawi zurückgeht. Der El-Kaida-Führer im Irak war Anfang Juni bei einem US-Luftangriff ums Leben gekommen. Doch offenbar hat dies der Schlagkraft der Terrorgruppe nicht geschadet.

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