Frustriert, ausgelaugt, erschöpft
Wie die Griechen die Krise erleben

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„So kann es ja nicht weitergehen“

Auch ihr Mann, ein Ingenieur, verdiene nur noch das Allernötigste. In der Krise baut keiner mehr. „Er hält uns mit kleinen Arbeiten über Wasser, mal ein Balkon da, mal ein Dach dort“, sagt sie. Die Miete zahlen sie nur noch sporadisch - die Vermieterin ist gnädig. Eine Krankenversicherung haben sie nicht mehr und ihre Schulden können sie nicht tilgen. „Früher wurden einem Kreditkarten hinterhergeschmissen, und jetzt... Wir müssten eigentlich alle ins Gefängnis, weil wir unsere Schulden nicht bezahlen können, aber so groß sind die Gefängnisse in Griechenland gar nicht.“

Dass sie keine reine Weste hat, weiß sie. Da sie vorher schwarz gearbeitet hat, gibt es kein Arbeitslosengeld. Auf die Politik schimpfen alle, aber an die Regeln halten sich auch viele kleine Leute nicht. Immer noch fährt der Taxifahrer, dessen Automat, der die Rechnung ausspucken soll, zufällig kaputt ist, dessen Papier aus ist oder der unverblümt zugibt, dass es ohne Rechnung für alle besser ist. Immer noch bietet einem der Arzt an: Mit Rechnung 100 Euro, ohne 70 Euro. „Wir sind selbst Schuld an unserer Misere“, sagt Pella.

Ein Austritt aus dem Euro ist für Nikos und Pella kein leeres Gerede mehr, sie haben keine Angst davor. Wer wenig hat, dem kann man wenig nehmen. Und zu abstrakt ist es für sie, was es bedeuten würde, wenn sie wieder in Drachme zahlen würden. Besser sei es vielleicht ohne Euro, ohne Abhängigkeit, ohne EU-Diktat, sagt Pella. „So kann es ja nicht weitergehen.“

Keine hundert Meter von dem Rahmengeschäft entfernt sammelt sich eine Menschenschlange vor einem kleinen Laden. Wird hier schon um Brot angestanden? Nein, die Leute verhandeln über ihre Stromrechnung, die sie nicht mehr bezahlen können.

„Es ist irgendwie ein beklemmendes Gefühl, wenn man Leute Schlange stehen sieht“, sagt Kleio Gizeli, die auch an der Patision lebt und als Künstlerin für ein paar Euro im Rahmenladen jobbt - allerdings werden die Einsätze rar, es gibt wenig zu tun. Sie als Künstlerin ist es gewohnt, finanziell rumzukrebsen. Aber auch sie bekommt es mit der Angst zu tun, wenn sie nun mit ihrem mageren Einkommen das erste Mal den pensionierten Eltern aushelfen muss.

Kommentare zu " Frustriert, ausgelaugt, erschöpft: Wie die Griechen die Krise erleben"

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  • Die Griechen werden vor lauter Lachen Bauchschmerzen haben, das ist es.

  • @WinfriedSobottka:

    "Die Würmer von heute werden - so, oder so - letztlich für ihre Dummheit,ihre Feigheit und ihren kurzsichtigen Opportunismus in eigener Sache zahlen, viel teurer, als sie es sich heute vorstellen können."

    Die „Würmer von heute“ haben dann schon längst ihr Schäflein ins trockene gebracht. (Schweiz, Lichtenstein, Luxembourg, Cayman Islands, Singapur, etc.). Und das Volk ist dieses Gebahren schon seit über 40 Jahren gewohnt. Da ändert sich so schnell nichts.

  • Sorry, hanbe den Link vergssen.
    mea culpa, mea maxima culpa!

    "Griechische Politiker schaffen Geld ins Ausland"
    Quelle: FTD
    http://www.ftd.de/politik/europa/:drohende-staatspleite-griechische-politiker-schaffen-geld-ins-ausland/60174486.html

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