
AthenNikos Koutsouvelis dreht sich eine Zigarette. Mittlerweile kann er das ganz gut. Es krümelt kaum noch. Er leckt am Zigarettenpapier, dreht es ordentlich zusammen und legt die schmale Zigarette vor sich auf den Tisch. Dann kramt er sein Feuerzeug aus seiner Hosentasche und fängt kurz darauf an, den Rauch einzusaugen und auszupusten. Ein, zwei, drei Züge. Die Zigarette ist bald nur noch ein Stummel, aber Kundschaft ist immer noch nicht in Sicht.
Seit Griechenland in die Krise stürzte, raucht Nikos nur noch Selbstgedrehte. Ist billiger. Im Drehen hat er nun Übung und viel Zeit zum Rauchen hat er auch. Denn ebenfalls seit Griechenland in die Krise stürzte, läuft sein kleines Rahmengeschäft in Athen schlecht. „Seit zwei Jahren schlecht, seit einem Jahr noch schlechter“, konkretisiert er. Wie viele Kunden weniger kommen, weiß der 51-Jährige nicht genau. Vielleicht will er es auch gar nicht so genau wissen. Aber er schätzt, es ist die Hälfte.
Die neue griechische Koalitionsregierung hat am Wochenende ihre Pläne zur Lockerung des Sparpakts veröffentlicht. Der Koalitionsvertrag der drei Regierungsparteien - Konservative, Sozialisten, Demokratische Linke - nennt als zentrales Ziel, die Frist für die Umsetzung der Sparauflagen um zwei Jahre zu verlängern.
Athen wünscht eine Streckung um mindestens zwei Jahre. Es geht um Sparmaßnahmen in Höhe von schätzungsweise 11,5 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten sie 2013 und 2014 umgesetzt werden. Athen will dafür nun Zeit bekommen bis Ende 2016.
„Keine weiteren Kürzungen der Löhne und Renten; keine neuen Steuern“, lautet das Motto. Die geplante Entlassung von 150 000 Staatsbediensteten soll nicht wie ursprünglich vorgesehen erfolgen, stattdessen wird ein stufenweiser Abbau angestrebt. Stufenweise sollen auch wieder die niedrigeren Renten und Löhne angehoben werden. Arbeitslosengeld soll statt bislang ein Jahr künftig 24 Monate ausgezahlt werden.
Ein neues gerechteres und langfristiges Steuersystem soll ausgearbeitet werden. Die Mehrwehrsteuer (23 Prozent) soll im wirtschaftlich wichtigen Bereich Tourismus und Gastronomie reduziert werden. Schwer verschuldete Haushalte und Personen sollen ihre Schulden stufenweise zurückbezahlen. Niemand soll mehr als 25 Prozent seines Einkommens für den Abbau seiner Schulden aufwenden. Die Gelder aus den Strukturfonds der EU sollen intensiv genutzt werden.
Das Land soll möglichst keine landwirtschaftlichen Produkte einführen. Die Rückkehr junger Leute in die Landwirtschaft soll unterstützt werden.
Alle Bürger sollen die Möglichkeit haben, ärztlich behandelt und medizinisch versorgt zu werden - unabhängig davon, ob sie arbeiten oder keinen Job haben. Das zusammenbrechende Versicherungssystem soll wieder auf die Beine gestellt werden.
Die Immunität von Ministern soll eingeschränkt werden. Der Bürokratie wird der Kampf angesagt. Dies gilt auch für die Steuerhinterziehung.
Die Flüchtlingswelle soll durch strengere Kontrollen der Grenzen eingedämmt werden. Verantwortliche für Übergriffe auf Migranten sollen konsequent strafrechtlich verfolgt werden.
Griechenland soll eine stabilisierende Rolle in der Region des östlichen Mittelmeeres spielen. Gute Nachbarschaft mit allen Ländern der Region. Förderung einer Europäischen Politik für das Mittelmeer.
Pro Monat muss er 1300 Euro Miete und Fixkosten für sein Geschäft aufbringen. „Wenn es gut läuft, kann ich gerade meine Kosten decken“, sagt er. Gut läuft es aber schon lange nicht mehr. Geld für größere Anschaffungen, für einen Restaurantbesuch oder gar eine Urlaub hat er nicht. Und seine beiden Kinder muss er auch noch durchbringen.
Seit 20 Jahren hat Nikos seinen Laden hier auf der Straße Patision nicht weit vom zentralen Omonia-Platz entfernt. Er ist stolz auf seine Arbeit, fertigt seine Rahmen per Hand, zieht Marienbilder genauso auf Holz wie Hochzeitsfotos und Werbung für Ouzo oder Underberg. „Hier, da hatte ich mal einen großen Auftrag aus Deutschland. Das waren noch bessere Zeiten“, sagt er und zeigt auf etwas staubige Reklametafeln im Schaufenster.
Griechenland verpflichtet sich, seine Staatsverschuldung bis 2020 auf einen Stand von rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bringen. Erlaubt sind eigentlich nur 60 Prozent.
Vereinbart sind Einsparungen in den nächsten beiden Jahren in Höhe von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Der Großteil wird erreicht durch Einschnitte bei den Staatsausgaben, die die Größe des Staates reduzieren und seine Effizienz verbessern“, heißt es im Text.
Athen hat sich zu einer radikalen Reform des Rentensystems verpflichtet. Bis Ende September 2012 sollen die Renten „angepasst“ werden, wobei Bezieher geringer Renten geschützt werden.
Athen muss die Beschäftigung im öffentlichen Sektor bis Ende 2015 um 150.000 Stellen reduzieren.
Griechenland vereinfacht sein Steuersystem und hebt Steuerbefreiungen auf - um seine Einnahmen zu steigern. Der Kampf gegen Steuerbetrug wird verschärft.
Die Mindestlöhne werden um 22 Prozent gegenüber dem am 1. Januar 2012 geltenden Niveau gesenkt. Regelungen über automatische Lohnzuwächse werden ausgesetzt.
Der griechische Staat soll konkurrenzgeschützte Berufe wie etwa Apotheker, Buchhalter oder Makler liberalisieren. In überteuerten Wirtschaftsbereichen muss ausländische Konkurrenz zugelassen werden.
Angegangen werden Fusionen und Privatisierungen - etwa regionaler Flughäfen. Auf dem Strommarkt sollen Netze und Versorgung getrennt werden.
Die Umsetzung der Reformen überwacht die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die vierteljährliche Berichte erstellt.
Griechenland liegt in der Verwirklichung fast aller Auflagen zurück. Das liegt an der starken Rezession, aber auch am kompletten politischen Stillstand während des Wahlkampfs.
Das „strategische“ Ziel Athens sind Neuverhandlungen, um die Sparmaßnahmen um zwei Jahre zu strecken. Die Rückzahlung der gewährten Hilfen soll erst 2017 beginnen. Der neue Premier Antonis Samaras will beim EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel mit den EU-Staats- und Regierungschefs darüber reden.
In dem Memorandum ist ausdrücklich vorgesehen, die Verpflichtungen Griechenlands zeitlich zu strecken, falls die Wirtschaftskrise sich verschärft. Athen kann laut Text die EU, die EZB und den IWF „konsultieren“, falls die Rezession schlimmer als erwartet ausfallen sollte.
Bei den Geldgebern ist die Bereitschaft erkennbar, der neuen Regierung mehr Zeit für die Verwirklichung des Reform- und Sparprogramms und die Rückzahlung der Kredite zu lassen. Die Euro-Staaten pochen laut Diplomaten aber darauf, dass Athen seine Schulden langfristig abbaut und strukturelle Reformen umsetzt.

Die Griechen werden vor lauter Lachen Bauchschmerzen haben, das ist es.

@WinfriedSobottka:
"Die Würmer von heute werden - so, oder so - letztlich für ihre Dummheit,ihre Feigheit und ihren kurzsichtigen Opportunismus in eigener Sache zahlen, viel teurer, als sie es sich heute vorstellen können."
Die „Würmer von heute“ haben dann schon längst ihr Schäflein ins trockene gebracht. (Schweiz, Lichtenstein, Luxembourg, Cayman Islands, Singapur, etc.). Und das Volk ist dieses Gebahren schon seit über 40 Jahren gewohnt. Da ändert sich so schnell nichts.

@ Pandora0611
Sie schreiben:
"Sorry, hanbe den Link vergssen.
mea culpa, mea maxima culpa!
"Griechische Politiker schaffen Geld ins Ausland"
Quelle: FTD
http://www.ftd.de/politik/europa/:drohende-staatspleite-griechische-politiker-schaffen-geld-ins-ausland/60174486.html "
=> Ihnen wird sicherlich klar sein, dass das Geld des Großkapitals in keinem Lande, außer womöglich in Frankreich, zur Disposition stehen wird, wenn wirtschaftlicher Niedergang auf die Staatsfinanzen drückt, und dass es in Deutschland nach der Bundestagswahl richtig losgehen wird.
Es macht aber keinen Sinn, dagegen anschreiben zu wollen, denn die Wasserträger des Systems halten ihre Trutzburg standhaft, und ansonsten gibt es keinen Streif am Himmel, den man bei näherem Hinsehen als mehr denn als eine Fata-Morgana bezeichnen könnte.
In Anbetracht dieses fatalen Ausblicks bleibt ein Trost: Die Würmer von heute werden - so, oder so - letztlich für ihre Dummheit,ihre Feigheit und ihren kurzsichtigen Opportunismus in eigener Sache zahlen, viel teurer, als sie es sich heute vorstellen können.
Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka
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