„Fuck the EU“
Eine Europa-Beauftragte, die Europa verärgert

Es ist ein Fauxpas, der selbst Merkel auf den Plan ruft: „Fuck the EU“, hatte die amerikanische Europa-Beauftragte Nuland in einem Telefonat gesagt, das an die Öffentlichkeit kam. Wer ist die undiplomatische Diplomatin?
  • 27

WashingtonIn den vergangenen Monaten war Victoria Nuland hinter den Kulissen darum bemüht, den Ärger der Europäer über die Spähprogramme des US-Geheimdienstes NSA zu besänftigen. Nun stößt die Europabeauftragte von US-Außenminister John Kerry die transatlantischen Verbündeten mit einer äußerst undiplomatischen Aussage vor den Kopf. „Fuck the EU“, zu Deutsch: „Scheiß' auf die EU“ - so ist Nuland in einem Telefonat zu hören, das auf der Online-Plattform Youtube auftauchte. In Washington wird vermutet, dass Russland das abgefangene Gespräch öffentlich machte, um eine Vermittlung des Westens in der Ukraine zu torpedieren.

Der Fauxpas hat mittlerweile sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Plan gerufen. Die Äußerung sei „absolut inakzeptabel“, zitierte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz die Regierungschefin. Merkel sei der Auffassung, dass die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton „einen hervorragenden Job“ mache. Die EU bemühe sich weiter mit großer Intensität, die Lage in der Ukraine zu beruhigen.

Bis Mitte September war Nuland die Sprecherin von Kerrys Vorgängerin Hillary Clinton. Seit sie nicht mehr in den täglichen Pressekonferenzen die Haltung des Außenministeriums erklären muss, ist die Karrierediplomatin nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Als Leiterin der Europaabteilung funkt sie nun eigentlich über diskrete Kanäle. In der Spähaffäre führt Nuland etwa Gespräche mit Verantwortlichen aus ganz Europa, Ende Oktober gehörte sie zu den Gesprächspartnern einer nach Washington gereisten Delegation aus dem Bundeskanzleramt.

Äußerst ungelegen kommt ihr da der Mitschnitt ihres Gesprächs mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, bei dem es um die Proteste in der Ukraine ging. Beide wähnten sich in einer vertraulichen Unterhaltung: Offen sprechen sie über den mittlerweile gescheiterten Versuch von Präsident Viktor Janukowitsch, die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko in die Regierung zu holen. Der frühere Boxweltmeister im Kabinett? „Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist“, befindet Nuland.

Bei den Vermittlungen in der Ukraine scheinen die US-Vertreter vor allem auf die Vereinten Nationen zu setzen. Die Europäische Union samt ihrer Außenbeauftragten Ashton erfährt weniger Wertschätzung. „Weißt du, scheiß' auf die EU“, sagt Nuland. Später ließ das Außenministerium in Washington wissen, dass sich die Top-Diplomatin „natürlich“ bei ihren EU-Kollegen entschuldigt habe.

Seite 1:

Eine Europa-Beauftragte, die Europa verärgert

Seite 2:

„Amerika braucht ein starkes Europa.“

Kommentare zu " „Fuck the EU“: Eine Europa-Beauftragte, die Europa verärgert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vielleicht brauchen wir keine EU kritischen parteien sondern einen austausch der politischen klasse bei gleichzeitger abschaffung des lobbyismus
    denn eins ist fakt
    henkel und Consorten werden nichts anderes tun als die derzeitigen machthaber
    in die eigene tasche wirtschaften

  • Politiker = Vorbilder .... wie bei uns !

  • Fuck yourself Mrs. Nuland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%