Führungsanspruch bekräftigt
Brown bringt sich in Position

Nach fast zehn Jahren als britischer Schatzkanzler hat Gordon Brown mit einer umfassenden Rede seinen Anspruch auf das Amt des Premierministers so deutlich wie nie zuvor bekräftigt.

HB MANCHESTER. Auch unter seiner Führung werde die Partei ihren Reformkurs beibehalten, auf die politische Mitte zielen und als „New Labour“ eine moderne Linke verkörpern, kündigte Brown in vorab verbreiteten Passagen und zahlreichen Interviews im Vorfeld seines Auftritts vor dem Parteitag an. Blair hat vor kurzem zugesichert, binnen eines Jahres zurückzutreten. Die nächste Parlamentswahl findet voraussichtlich 2009 statt.

„Die nächsten zehn Jahre werden uns noch mehr abfordern. Weil sich die Herausforderungen geändert haben, muss ich auch unsere Regierungsarbeit verändern. Wir brauchen nicht nur neue politische Ansätze, wir brauchen auch einen neuen politischen Stil.“ Dies war einer der Kernsätze, mit dem Brown vor die Partei treten wollte. Angesichts wachsender Zweifel auch in den eigenen Reihen, stand er unter dem Druck zu beweisen, dass er der richtige Mann ist, Großbritannien in die Zukunft zu führen.

In seinen jüngsten Interviews hatte der 55-jährige Schotte vor allem auf seine neunjährige Erfahrung als Schatzkanzler an der Spitze des Finanz- und Wirtschaftsministeriums verwiesen. Die britische Wirtschaft hat in dieser Zeit einen ungewöhnlich stetigen Aufschwung erlebt.

Blair wird am Dienstag seine Abschiedsrede vor dem Parteitag halten. Er hat Labour drei Mal in Folge zum Wahlsieg geführt und ist damit so erfolgreich wie kein anderer Partei-Chef der Linken zuvor. Wegen der anhaltenden Gewalt im Irak, mehreren Skandalen und umstrittenen Reformen vor allem im Bereich Gesundheit ist aus dem einstigen Hoffnungsträger jedoch eine Belastung für die Partei geworden.

Brown hat die traditionelle, sozialdemokratische Partei gemeinsam mit Blair zur „New Labour“ umgebaut und mit einer für Labour-Verhältnisse sehr marktorientierten Wirtschaftspolitik flankiert. Lange Zeit galt er als der natürliche Nachfolger Blairs. Jüngste Umfragen zeigen jedoch, dass die Unterstützung für ihn bröckelt und die Kritik an seinem persönlichen Führungsstil zunimmt. Dies vergrößert die Chance, dass ein anderes politisches Schwergewicht der Partei Brown herausfordert und gegen ihn in den Wahlkampf zieht.

Den Umfragen zufolge empfinden viele Briten den 55-jährigen Brown als arrogant und halten ihn für einen schlechten Teamarbeiter. Besonders im Vergleich mit dem jungen, kämpferischen Chef der Konservativen, David Cameron, schneidet der Schotte schlecht ab. Unter Cameron liegen die Konservativen seit Wochen vor Labour in den Umfragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%