Führungsgremium
Spanien will nicht auf EZB-Posten verzichten

Spanien sieht nicht ein, seinen Anspruch auf einen Sitz im Direktorium der EZB aufzugeben. Das verlautete aus dem dortigen Wirtschaftsministerium. Der Posten stehe dem Land wegen seiner Bedeutung in Europa zu.
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MadridSpanien stemmt sich gegen den Verlust seines Postens im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Regierung in Madrid sei nicht bereit, nach dem Ausscheiden des Spaniers Jose Manuel Gonzalez-Paramo aus dem sechsköpfigen Führungsteam der EZB ihren Anspruch auf einen Sitz in dem Gremium aufzugeben, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Der Posten stehe Spanien wegen seines Gewichts in Europa zu. Im Ringen um die Besetzung des EZB-Direktoriums ist Frankreich nach Reuters-Informationen auf den Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch eingeschwenkt. Vorher hatte die Pariser Regierung den Favoriten Spaniens unterstützt: den derzeitigen EZB-Chefjustitiar Antonio Sainz de Vicuna.

„Wir halten an unserem Kandidaten fest und werden dies auch in Zukunft tun“, sagte die Ministeriumssprecherin in Madrid weiter. Bei einer Entscheidung für den Luxemburger Mersch wäre Spanien - die viertgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion - erstmals nicht mehr im obersten EZB-Führungsgremium vertreten. Nach ungeschriebenem und bisher nicht gebrochenem Gesetz steht seit der Gründung der EZB vor 14 Jahren den vier größten Euro-Länder - Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien - ein Sitz im Direktorium zu.

Bislang hatte Frankreich den spanischen Kandidaten unterstützt. Der studierte Ökonom Sainz de Vicuna gilt jedoch in Kreisen der Euro-Zone im Kampf gegen die Schuldenkrise als ungeeignet, weil er sich in seinem Berufsleben ganz auf die Rechtsberatung konzentriert hat. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy kämpft Regierungskreisen zufolge aber weiter für Sainz de Vicuna.

Viel Zeit bleibt ihm dafür aber möglicherweise nicht, denn die Entscheidung könnte schon beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel fallen. Wie aus Kreisen der Euro-Zone verlautete, wird die EZB-Personalie von der Politik offenbar als Teil einer umfassenderen Personalrochade gesehen, die auch durch den absehbaren Rückzug von Jean-Claude Juncker als Chef der Euro-Gruppe mit angestoßen wurde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Führungsgremium: Spanien will nicht auf EZB-Posten verzichten"

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  • @ bedetsammerschuldenstaat,
    Schuldenstaaten in maßgebliche Funktionen können Zahlungsflüsse so am einfachsten zu ihren Gunsten umlenken.

  • Natürlich kann Spanien auf den Posten nicht verzichten. Das wäre ja ein Arbeitsloser mehr und sehr inflationär.

  • Deutschland sollte (muß) austreten und dann können die PIGS soviel Inflation generieren wie sie wollen, aber ohne deutsches Sparvermögen zu vernichten.

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