Führungskampf bei Labour
Der Angriff der Radikal-Linken

In der britischen Labour-Partei tobt ein Machtkampf: Ultralinke wollen die Partei übernehmen und den Altlinken Jeremy Corbyn zum neuen Parteichef machen. Der Partei droht eine zerstörerische Spaltung.
  • 0

Sie sind verzweifelt und sehen nur noch einen Ausweg. Mehrere Abgeordnete der britischen Labour-Partei fordern den Abbruch des laufenden Führungswahlkampfs um die Position des Parteichefs. „Es ist eine Farce. Der Wahlprozess ist völlig außer Kontrolle“, so der Abgeordnete John Mann in einer Botschaft an die amtierende Parteichefin Harrier Harman.

Der Grund: „Corbynmania“. Laut Medienberichten wird die Partei von bis 140 000 neuregistrierten Parteimitgliedern unterlaufen, von denen viele von ultralinken Gruppierungen wie den Kommunisten und Grünen kommen. Sie alle unterstützen den Kandidaten der extremen Labour-Linken, Jeremy Corbyn. Nach einer Umfrage von Yougov liegt Corbyn klar in Führung und würde selbst dann gewinnen, wenn als Alternative nur noch der gemäßigte bisherige Spitzenkandidat Andy Burnham übrig bliebe.

Bei der Parlamentswahl Anfang Mai erlitt die Labour-Partei die schwerste Wahlschlappe seiner Nachkriegsgeschichte, weil, so die meisten Analysen, Labour-Chef Ed Miliband die Partei zu weit aus der Mitte nach links geführt hatte. Die zentristischen „Blairites“ hofften daher auf eine Renaissance. Aber Corbyns Analyse lautet anders: „Wir waren nicht links genug“.

Corbyn und seine Anhänger, oft Frauen und jüngere Wähler, sehen sich als Teil einer Renaissance der antikapitalistischen Linken, die von Tsiriza bis zur schottischen SNP reicht und Hoffnungen auf eine volksnahe Politik gegen Krieg, Austerität und die Macht der Banken weckt. Der Altlinke Corbyn, 66 Jahre alt, ein von Generationen von Labour-Parteichefs wegen seines Dauer-Rebellentums gemiedener Hinterbänkler, soll die authentische Stimme dieser neuen Volkserhebung sein.

Kommentare zu " Führungskampf bei Labour: Der Angriff der Radikal-Linken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%