Führungskrise in der EU
Sarkozy will Chef bleiben

Frankreichs Staatpräsident will auch nach dem Ende der französichen Ratspräsidentschaft weiterhin den Ton in der EU angeben. Jetzt hat er es offenbar auf den Chefsessel der Euro-Gruppe abgesehen.

ali/rut/saf PARIS, BRÜSSEL, BERLIN. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gefällt seine Rolle als Europas oberster Krisenmanager. Er mag sich anscheinend nicht damit abfinden, dass er sein Amt als EU-Ratsvorsitzender Ende des Jahres an Tschechien abgeben muss. Sarkozy würde die europäischen Geschicke gerne länger lenken. Entsprechende Überlegungen kursieren in Paris. Nach Informationen der Tageszeitung „Le Monde“ will Sarkozy ab Januar Chef der Gruppe der 15 Euro-Staaten werden.

Die Staats– und Regierungschefs der Euro-Zone waren am 12. Oktober erstmals in der Geschichte der Europäischen Währungsunion zu einem Gipfel zusammengekommen, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Solche Treffen soll es nach dem Willen des französischen Staatschefs nun öfter geben – und zwar unter seiner Leitung. Das berichtet „Le Monde“ unter Berufung auf Berater des Präsidenten. Eine offizielle Stellungnahme des Elysée-Palastes dazu war nicht zu erhalten.

Das ausbleibende Dementi deutet darauf hin, dass die Spekulationen ernst zu nehmen sind. Der französische EU-Parlamentarier Alain Lamassoure, der mit dem Elysée zusammenarbeitet, unterstützt den Vorstoß. „Ich finde, dass ist eine sehr gute Idee“, sagte Lamassoure.

Verblüfft sind hingegen Sarkozys Amtskollegen in der Euro-Zone. „Es handelt sich wohl wieder um einen dieser spontanen Einfälle Sarkozys“, hieß es gestern in Brüsseler EU-Kreisen. Mit dem luxemburgischen Premier Jean-Claude Juncker, der die Gruppe der Finanzminister der Euro-Zone leitet, hat Sarkozy seine Idee offenbar bisher nicht besprochen.

Seite 1:

Sarkozy will Chef bleiben

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%