Führungsstreit in UMP droht
Juppe gibt Vorsitz von Chirac-Partei ab

Der frühere französische Premierminister Alain Juppe ist als Vorsitzender der Mehrheitspartei UMP von Präsident Jacques Chirac zurückgetreten. Beobachter erwarten nun einen Führungsstreit zwischen Präsident Jacques Chirac und Finanzminister Nicolas Sarkozy.

HB PARIS. Juppe, der als enger Verbündeter Chiracs gilt, hatte seinen Rücktritt angekündigt, nachdem er im Januar wegen Korruption zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden war. „Ich verlasse die politische Bühne, um nach den Qualen, durch die ich gehen musste, meinen Frieden zu finden“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung Juppes. Darin warnte er, im Kampf um seine Nachfolge „niemals die Interessen der UMP, die Einheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl, aus den Augen zu verlieren.“

Als Kandidat für das Amt des Parteichefs wird neben Finanzminister Sarkozy auch Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin gehandelt, der aber nach den jüngsten Wahlschlappen um seinen Posten fürchten muss. Der in der Bevölkerung sehr beliebte Sarkozy gilt mittlerweile als erbitterter politischer Rivale Chiracs. Dieser hatte seinem Finanzminister erst vor wenigen Wochen zwar grünes Licht für eine Übernahme des UMP-Vorsitzes gegeben, ihm für diesen Fall aber gleichzeitig mit seiner Entlassung als Finanzminister gedroht. Niemand solle gleichzeitig Mitglied der Regierung und Parteivorsitzender sein, hatte Chirac erklärt. Als UMP-Vorsitzender hätte Sarkozy eine mächtige Plattform, um 2007 als Kandidat in die Präsidentenwahl zu ziehen und damit seinem wohl größten politischen Ziel einen bedeutenden Schritt näher zu kommen. Chirac hat sich bislang noch nicht dazu geäußert, ob er sich ein drittes Mal zur Wahl stellen will.

Dem Präsidenten, der auch in den Korruptionsskandal um Juppe verwickelt sein soll, stehen schwere Zeiten ins Haus. Seine Beliebtheit sinkt in den Umfragen, bei den Regionalwahlen im März und der Abstimmung zum Europaparlament musste seine konservative UMP zudem herbe Stimmenverluste hinnehmen. Die Rivalität zwischen Chirac und Sarkozy könnte die Partei und auch die Regierung gerade zu einem Zeitpunkt lähmen, zu dem große Wirtschaftsreformen anstehen, befürchten Beobachter. Juppes Rücktritt ist für den Staatschef auch deshalb ein Rückschlag, weil er ursprünglich als Chiracs Wunschnachfolger auf das Präsidentenamt galt. Nun wird dafür Innenminister Dominique de Villepin gehandelt.

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