Fünf Demonstranten im Irak erschossen
Bush soll Irakkrieg 2001 geplant haben

Die Entscheidung zum Krieg gegen Irak soll US-Präsident George W. Bush nach Darstellung seines ehemaligen Finanzministers schon zu Beginn seiner Amtszeit getroffen haben - und nicht erst nach den Terroanschlägen vom 11. September. Die Grundzüge für eine Invasion seien bereits wenige Tage nach dem Amtsantritt im Januar 2001 festgelegt worden, sagte Exminister Paul O'Neill am Wochenende dem Fernsehsender CBS: „Von Anfang an herrschte die Überzeugung, dass Saddam Hussein eine schlimme Person ist und verschwinden muss.“

HB WASHINGTON/BAGDAD. Bush-Sprecher Scott McClellan verwies darauf, dass Washington das Konzept des Regimewechsels im Irak bereits seit 1998 und damit in der Zeit von Bush-Vorgänger Bill Clinton propagierte.

Nach Angaben von Buchautor Ron Suskind zirkulierten in der Regierung schon in den ersten drei Monaten 2001 Pläne für eine Invasion des Irak, für eine Nachkriegsära und Vorstellungen über die Zukunft des irakischen Öls. Er habe entsprechende Unterlagen von O'Neill und anderen Insidern aus dem Weißen Haus erhalten, sagte Suskind der CBS, wie der Sender vor der Ausstrahlung der Sendung am Sonntag mitteilte.

Der britische Premierminister Tony Blair hält es für möglich, dass die vermuteten Massenvernichtungswaffen des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein niemals entdeckt werden. In einem BBC-Interview betonte Blair am Sonntag erneut, es sei auf Grund von Geheimdienstinformationen richtig gewesen, in den Irak einzumarschieren. Aber die Waffen seien nicht dort gewesen, wo das Militär sie vermutet habe und sie würden vielleicht niemals gefunden. Allerdings glaube er nach wie vor an die Existenz der Massenvernichtungswaffen.

Dänische Soldaten haben unterdessen nahe der südirakischen Stadt Basra mehrere Dutzend vergrabene Granaten gefunden, die nach ersten Untersuchungen Giftgas enthalten. US-Militärsprecher General Mark Kimmitt bestätigte am Samstagabend in Bagdad entsprechende Angaben aus Kopenhagen und erklärte, es handele sich um 40 bis 50 120- Millimeter- Granaten, von denen einige leck waren und eine Flüssigkeit enthielten. Wie ein Sprecher des dänischen Heereskommandos im dänischen TV-Sender DR1 mitteilte lagen die Granaten den Röntgenanalysen zufolge seit mindestens zehn Jahren unter der Erde. Es galt als wahrscheinlich, dass die Granaten aus dem iranisch-irakischen Krieg in den achtziger Jahren stammen.

Iran hat die Einstufung von Saddam Hussein als Kriegsgefangenen durch die USA kritisiert. „Saddam sollte als Kriegsverbrecher gemäß der Vierten Genfer Konvention vor Gericht gestellt werden. Was Iran angeht, so wird sich am Verbrecherstatus für Saddam nie etwas ändern“, sagte Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi am Sonntag in Teheran. Iran und der Irak führten von 1980 bis 1988 einen verheerenden Krieg gegeneinander. Noch ist unklar, wo sich Saddam vor Gericht verantworten soll.

Der Vorsitzende des provisorischen irakischen Regierungsrats, Adnan el Padschadschi, findet es falsch, dass die Amerikaner Saddam allein verhören. „Weshalb gibt es nicht jetzt schon eine gemeinsame Befragung (durch amerikanische und irakische Ermittler)?“, fragt der Politiker in einem Interview der arabischen Zeitung „Al-Sharq Al- Awsat“ vom Sonntag. Die meisten Opfer Saddams seien schließlich Iraker und nicht US-Soldaten gewesen.

Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten, irakischen Polizisten und britischen Soldaten sind am Samstag in der südirakischen Stadt Amara mindestens fünf Demonstranten getötet worden. In der Stadt Bakuba nahmen US-Soldaten bei einer Razzia in Nacht zum Sonntag sieben Verdächtige fest. Dabei soll eine Frau eine Handgranate auf die Soldaten geworfen haben.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck hat den Einsatz deutscher Soldaten im Irak erneut ausgeschlossen. „Wir werden, wenn es gewünscht wird, irakische Offiziere ausbilden. Doch im Irak selbst hat kein deutscher Soldat etwas verloren“, sagte Struck der „Bild am Sonntag“.

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