Fünf Fragen an: Michael Klein
„Es mangelt an Flexibilität“

Michael Klein ist Vizepräsident der Weltbank in Washington. Dem Handelsblatt beantwortete er fünf Fragen zum Abschneiden Deutschlands und anderer europäischer Länder beim Doing-Business-Report.

Herr Klein, Deutschland hat seine Position gegenüber dem letzten Doing-Business-Report nicht verändert. Schläft das Land?

Man hat eben genauso viel gemacht wie der Durchschnitt. Letztes Jahr sind die Reformen der Regierung Schröder durchgeschlagen. Danach hat der Reformeifer nachgelassen.

Die Unternehmen scheint das kaum zu stören. Sie verdienen derzeit sehr ordentlich, und die deutsche Konjunktur läuft rund.

Da macht sich bemerkbar, dass gerade die deutschen Firmen stark exportorientiert sind. Die Arbeitsmarktreformen kommen da nur noch obendrauf. Der große Teil des wirtschaftlichen Aufwärtstrends ist schlicht ein zyklisches Phänomen. Die Weltwirtschaft war selten so stark wie zurzeit.

Heißt das, die Reformanstrengungen sind eher irrelevant?

So würde ich das nicht sagen. Allerdings kann man nie genau sagen, welches Rezept letztendlich Erfolg bringt. Insgesamt steht Deutschland ja gar nicht schlecht da. Es gibt zwei Aspekte, die das Land runterziehen: die mangelhafte Flexibilität der Arbeitsmärkte und der ausgeprägte Schutz von Minderheitsaktionären.

Auch andere europäische Länder können Reformen auf dem Arbeitsmarkt nicht durchsetzen . . .

Ohne Frage ist das ein sensibles Thema. Allerdings kann man auch auf diesem Gebiet vorankommen. Die Skandinavier haben es gezeigt.

Die EU-Beitrittsländer schneiden schlechter ab als zuletzt. Warum?

Ganz einfach: Wenn der Beitritt vollzogen ist, erlahmt der Reformeifer umgehend.

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