Fünf Millionen Euro für die Freilassung
Lösegeld für französische Geiseln gefordert

Angesichts der unklaren Situation innerhalb der sunnitischen Widerstandsbewegung ist das Schicksal der beiden von Extremisten im Irak verschleppten Franzosen ungewiss.

HB BAGDAD/PARIS. Auf einer Webseite wurden am Montag im Namen der Entführer der „Islamischen Armee im Irak“ fünf Millionen Dollar für die Freilassung der Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot gefordert. Islamische Untergrundgruppen ließen derweil insgesamt fünf ausländische Geiseln frei. Bei zwei Anschlägen töteten Aufständische erneut neun amerikanische Soldaten.

Die irakische Regierung dementierte Berichte, nach denen der Saddam-Vize Isset Ibrahim el Duri am Sonntag in Tikrit festgenommen worden sein soll. Das Innenministerium gab nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders El Arabija bekannt, eine DNA-Analyse habe gezeigt, dass es sich bei dem Festgenommenen nicht um Isset Ibrahim, sondern um einen Verwandten des Gesuchten handele, der ebenfalls auf der Fahndungsliste stehe.

Wie der jordanische Außenminister Marwan el Muaschir in Amman berichtete, ließen Extremisten im Westirak drei Jordanier und einen Sudanesen frei, die als Lastwagenfahrer im Irak gearbeitet hatten. Eine weitere Gruppe, die sich Islamische Widerstandsbrigade nennt, setzte zuvor einen türkischen Lastwagenfahrer frei. Die Entführer hatten am Wochenende mit der Enthauptung der Geisel gedroht, sollten die türkischen und kuwaitischen Arbeitgeber des Entführten den Irak nicht binnen 48 Stunden verlassen. Am Sonntag hatte die kuwaitische Firma, für die er Waren in den Irak gebracht hatte, öffentlich erklärt, sie stelle ihre Tätigkeit im Nachbarland ein.

Französische Medien berichteten, die Entführer der beiden Journalisten hätten auf einer Website von Paris die Erfüllung von drei Bedingungen innerhalb von 48 Stunden gefordert. Die Website sei jedoch noch nicht auf ihre Wahrhaftigkeit hin überprüft worden. Das französische Außenministerium habe dazu zunächst nicht Stellung genommen. Paris sollte außer der Zahlung eines Lösegeldes einen Waffenstillstand des Terroristenführers Osama bin Laden annehmen und sich verpflichten, keine militärischen oder kommerziellen Kontakte zum Irak aufnehmen. Die zwei Journalisten waren am 20. August auf dem Weg in die umkämpfte Stadt Nadschaf verschwunden.

Bei einem Autobombenanschlag nahe der Widerstandshochburg Falludscha starben am Montag zehn Soldaten. Darunter seien sieben amerikanische Marine-Infanteristen, teilte die US-Armee in Bagdad mit. Drei Getötete gehörten der neuen irakischen Nationalgarde an, die gemeinsam mit den US-Truppen im Einsatz war. Augenzeugen in Falludscha berichteten am Nachmittag, amerikanische Kampfflugzeuge hätten Ziele im Nordosten der Stadt bombardiert. Am Sonntagabend hatten Aufständische bei einem Mörserangriff auf einen US- Militärstützpunkt in Balad 70 Kilometer nördlich von Bagdad zwei amerikanische Soldaten getötet.

In Mossul töteten Bewaffnete nach Polizeiangaben einen Übersetzer der US-Truppen. In der Nähe von Kirkuk wurde am Wochenende in der Nähe erschossen. Nach Angaben eines irakischen Behördensprecher wurde der kurdische Ehemann der 38-Jährigen als Tatverdächtiger verhaftet.

Der irakische Großajatollah Ali el Sistani zeigte sich in der Pilgerstadt Nadschaf am Montag erstmals seit Jahren wieder in der Öffentlichkeit. Laut Augenzeugen nahm der Geistliche zum ersten Mal seit 20 Jahren am Morgengebet in der Imam-Ali-Moschee teil, in der sich im August Milizionäre des radikalen Schiiten-Predigers Muktada el Sadr verschanzt hatten. Unter Leitung El Sistanis diskutierten Verantwortliche erstmals seit Ende der Kämpfe über die Situation in Nadschaf. An dem Treffen nahm auch El Sadr teil. El Sistani, die höchste religiöse Autorität der Schiiten im Irak, hatte die Gefechte zwischen den Kämpfern und der US-Armee in Nadschaf mit mehr als 500 Toten durch eine Vereinbarung mit El Sadr beendet.

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