Fünfeinhalb Monate vor der Wahl
Geld allein macht noch keine Sieger

Das US-Präsidentschaftswahljahr 2004 ist ein Jahr der Superlative. Noch nie haben die Bewerber um das höchste Staatsamt so früh so viel Sponsorengeld eingesammelt. Und noch nie flossen so viele Dollar in die Werbung.

NEW YORK. Doch obwohl Präsident George W. Bush Rekordsummen vorweisen kann, scheint sein Sieg fünfeinhalb Monate vor den Wahlen alles andere als sicher: Der Folterskandal und immer neue Hiobsbotschaften aus dem Irak überschatten seit Wochen die Kampagne der Republikaner. Umfragen zeigen Bush ein bis fünf Prozentpunkte hinter seinem demokratischen Herausforderer John Kerry – ein guter Grund für beide Lager, in den nächsten Wochen nochmal aus dem vollen Geldbeutel zu schöpfen.



Mit bisher insgesamt 200 Mill. Dollar für seine Wiederwahl hat Präsident Bush alle bisherigen Wahlspendenrekorde gebrochen – auch den eigenen, den er vor vier Jahren mit knapp der Hälfte der Summe aufgestellt hatte. Sein Konkurrent, Senator Kerry, hat es bei der letzten offiziellen Zählung Anfang Mai auf immerhin 112 Mill. Dollar gebracht, also ebenfalls auf das Doppelte seines Vorgängers Al Gore, der 2000 gegen Bush antrat. Jetzt plant er einen neuen Schachzug, um noch länger Spenden sammeln zu können.

Bush und Kerry profitieren von zunehmenden Spendenaktionen im Internet und von Direktwerbung per Post. Außerdem ist die Höchstsumme von privaten Einzelspenden auf 2000 Dollar verdoppelt worden – das spült vor allem dem amtierenden Präsidenten mehr in die Kasse. „Bush spricht einen Kern gut situierter Republikaner an, und wer von denen bisher 1000 Dollar spenden konnte, der kann auch den doppelten Betrag aufbringen“, erklärt Herbert Alexander, Professor für Politikwissenschaft an der University of Southern California. Dennoch sieht sich Wahlkampfleiter Marc Racicot noch lange nicht auf der sicheren Seite. „Kerry legt ein unglaubliches Tempo vor und will bis zum Parteitag im Juli weitere 85 Mill. sammeln“, schrieb er vergangenen Monat in einem Brief an die Bush-Anhänger: „Wir brauchen weiter eure Hilfe.“

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