Für Schuldenerlass
Organisationen werfen EU Insolvenzverschleppung vor

Finanzexperten sozialer Organisationen werfen der EU Insolvenzverschleppung vor. Schnelles Handeln hätte die Kosten der Schuldenkrise deutlich senken können, so der Koordinator des Bündnisses „erlassjahr.de“.
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BerlinDie Kosten der griechischen Schuldenkrise hätten nach Ansicht von Finanz- und Sozialexperten durch schnelleres Handeln deutlich geringer ausfallen können. Die Europäische Union habe die Kosten der Krise durch Insolvenzverschleppung deutlich erhöht, kritisierte der politische Koordinator des Bündnisses erlassjahr.de, Jürgen Kaiser, am Donnerstag bei der Vorstellung des Schuldenreports 2012 in Berlin. Das Bündnis setzt sich für einen Schuldenerlass für hoch verschuldete Länder vor allem in der Dritten Welt ein.

Wäre der Schuldenschnitt in der nun vorgesehenen Höhe von 109 Milliarden Euro bereits im Dezember 2009 umgesetzt worden, wäre die Schuldenlast Griechenlands nach Berechnungen der Organisation auf 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gefallen. Nun sind es den Angaben zufolge 116 Prozent.

Hätte man zeitig reagiert und nicht 24 Monate Schuldenmanagement verloren, wäre es nicht nur für die Gläubiger billiger gewesen, sagte Kaiser. Auch der fiskalische Spielraum für einen Neuanfang Griechenlands wäre erheblich umfangreicher gewesen.

Reformchance bisher vertan

Kaiser kritisierte zudem, dass die internationale Gemeinschaft die Euro-Krise als Chance zur Regulierung von Staatsinsolvenzen verstreichen lasse. Schon bei den Schuldenkrisen von Entwicklungsländern in den 80er Jahren oder bei der Staatspleite Argentiniens 2001 habe ein geregelter Prozess gefehlt, sagte er. „In diesem Sinne ist die Euro-Krise bisher als Chance zur Reform verschenkt worden.“ Er begrüßte aber, dass mehrere Regierungen, unter anderem in Argentinien, Norwegen und der Schweiz, an Vorschlägen für ein Staateninsolvenzverfahren arbeiteten.

Auch im Koalitionsvertrag von Union und FDP sei die Forderung nach einem solchen Prozess festgeschrieben. „Die Herausforderung besteht nun darin, in einem geeigneten Moment - eventuell zur Jahrestagung von IWF und Weltbank in Tokio im kommenden Oktober - einen gemeinsamen Vorschlag einzubringen“, sagte Kaiser.

Dem Bündnis erlassjahr.de gehören nach eigenen Angaben etwa 700 Organisationen an, darunter Kirchen und Entwicklungshilfeorganisationen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Für Schuldenerlass: Organisationen werfen EU Insolvenzverschleppung vor"

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  • Jeder wusste doch, was in GR los ist. Natürlich ist es sozial ungerecht wenn die kleinen Leute für die Verbrechen der Politiker zahlen müssen. Unter dieser Ungerechtigkeit leiden aber besonders die kleinen Leute aus den Gläubigerländern welche für ihr Alter via LV vorgesorgt haben.

    Das GR überhaupt in den EURO aufgenommen wurde, daran sind die "Gutmenschen" der neosozialistischen Rot-Grünen Regierung Schuld.

    Wer hat uns verraten: Sozialdemokraten!

  • Kontrolle hätte sie ganz verhindert.

    Die Politiker sollten w/unprofessionellem Handeln an den Kosten beteiligt werden. Es ist sozial nicht gerecht, die Zeche den kleinen Leuten auf's Auge zu drücken. Das ist mangelndes soziales Verhalten.

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