Fukushima AKW-Betreiber verstrickt sich in Widersprüche

Tepco sorgt für Verwirrung: Zuerst meldete die Betreiberfirma des Kernkraftwerks Fukushima, die gemessene Radioaktivität liege zehn Millionen Mal höher als normal. Doch später zog das Unternehmen die Meldung zurück.
Update: 27.03.2011 - 14:44 Uhr 39 Kommentare
Der Vize-Präsident von Tepco, Norio Tsuzumi (2.v.r.) , entschuldigt sich für die Atom-Katastrophe. Quelle: dpa

Der Vize-Präsident von Tepco, Norio Tsuzumi (2.v.r.) , entschuldigt sich für die Atom-Katastrophe.

(Foto: dpa)

Tokio/FukushimaDie Betreiber des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima haben ihre eigenen Angaben über millionenfach erhöhte Strahlenwerte zurückgezogen. Die Messung sei falsch gewesen, erklärte ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco am Sonntagabend.

Zuvor hatte es geheißen, die Radioaktivität in Reaktorblock zwei des japanischen Atomkraftwerks sei zehn Millionen Mal höher als normal. Die Strahlung wurde am Sonntag im verseuchten Wasser gemessen, das im Turbinen-Gebäude des Reaktorblocks steht.

Die Reaktorsicherheitsagentur NISA hatte in dem Wasser an Reaktor zwei eine hohe Konzentration des Isotops Jod-134 festgestellt. Das könne auf einen Schaden am Reaktorkern hinweisen, hatte es geheißen. Der Betreiber Tepco versuchte am Wochenende, das Wasser abzupumpen, damit weiter an der Verkabelung der Kühlanlagen gearbeitet werden kann. Der radioaktive Wasser steht bis zu einem Meter hoch in den Turbinen-Häusern aller vier Reaktorblöcke von Fukushima Eins. Es ist jedoch unterschiedlich stark belastet.

Die Reparaturmannschaften kommen unterdessen im Kampf gegen einen Atom-GAU nur in kleinen Schritten voran. Extrem stark verstrahltes Wasser an den Reaktorblöcken macht ihren Einsatz lebensgefährlich. Die Gefahr einer Atomkatastrophe ist weiterhin nicht gebannt. Zumindest in Block zwei könnte der Reaktorkern beschädigt sein.

Der Betreiber Tepco konzentrierte sich am Wochenende zunächst darauf, mehr und mehr Süßwasser in die havarierten Reaktoren von Fukushima Eins zu pumpen. Im Laufe des Sonntags sollten stärkere Pumpen eingesetzt werden, kündigte die Reaktorsicherheitsbehörde NISA auf einer Pressekonferenz in Tokio an.

Anfangs hätten nur Pumpen von Feuerwehrwagen genutzt werden können, sagte NISA-Sprecher Hidehiko Nishiyama. Mit der Wiederherstellung der Stromzufuhr sollen auch die mächtigeren Maschinen des regulären Kühlsystems wieder laufen. Ein Teil der Technik benötige aber Gleichstrom, an dem noch gearbeitet werde. Am Sonntag sollte testweise auch die Klimaanlage im Reaktorblock 1 eingeschaltet werden.

In die Reaktoren und Becken mit abgebrannten Brennstäben war zunächst Meerwasser gepumpt worden. Experten befürchten aber, dass verdampfendes Meerwasser Salzkrusten zurücklässt. Sie könnten sich etwa zwischen den heißen Brennstäben festsetzen und den Fluss des kühlenden Wassers behindern. Deswegen wird inzwischen soweit möglich Süßwasser statt Salzwasser eingesetzt. Unter anderem sei die US-Marine mit einer großen Wasser-Ladung nach Fukushima unterwegs.

Die Reaktorblöcke 1 bis drei werden derzeit von Meer- auf Süßwasser umgestellt. Ins Abklingbecken des vierten Reaktors, in dem abgebrannte Brennelemente gekühlt werden müssen, werde am Sonntag aber weiterhin Salzwasser geleitet, kündigte der NISA-Sprecher an.

Die Kapazitäten seien begrenzt - so stand bisher für Reaktor 1 nur eine Pumpe zur Verfügung. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Dampf aus den beschädigten Reaktorgebäuden austrat.

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39 Kommentare zu "Fukushima: AKW-Betreiber verstrickt sich in Widersprüche"

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  • was gibt es über japan zu streiten?, was los ist weiß jeder:
    -> die menschen dort leben in einem kritschen zustand, am rande des todes
    ->ja, die deutsche presse meint das alles steigern zu müssen, 1000 fache strahlung, 10000000³ fache strahlung, ... .
    aber an der lage gibt es nicht viel zu steigern, tot ist tot, beinahe tot ist bald tot
    ->die deutschen rennen weinent zu den grünen, weil wir hier in deutschland auch so viele unsichere, gefährliche, tödliche, unvorhersehbare, bedrohliche, maligne, blabla kernkraftwerke haben.
    Meine Meinung: Wir haben es garnicht verdient, die Kernkraftwerke auszuschalten, solange wir nicht in der lage sind diese fehlende energie dann mit unweltfreundlichen energiequellen zu ersetzen. zur aufklärung: kohlekraftweke sind nicht unweltfreundlicher als kraftwerke mit atomenergie.

  • @Morchel

    Hää?

  • Danke, manche wollen hier Äpfel mit Birbe vergleichen.

  • George5216 du musst unterscheiden in kernwaffentaugliches material Pluotonium und in Akw taugliches Uran. einmal Pluotonium und die kritische masse Plotonium im zentrum bei einer reaktion ist auf 5000 Grad Celsius zu bringen wo dann auch jedes matrial sich verflüssigt.das problem bei akws beruht auf diese unwahrscheinliche kontermination und nicht so sehr auf verstrahlung.nun weder kannst du die kontermination luft land wasser nahrungskette noch verhinder und wirs mit der aufnahme im Körper so geschädigt das du jämmerlich langzeitig eingehst,nicht an ausserer gewalt sonder schleicheng auf generationen dich auslöscht,die lebensgrundlage dir selber entziehst.

  • Die Strahlenwerte fehlerhaft erfasst. Und das in einer solchen Situation.
    Das ist ein so unglaublicher Vorgang, das es nach vertuschen riecht.
    Hauptsache der Aktienkurs fällt nicht ins Bodenlose.
    Absolut Verantwortungslos.

  • Sie haben ja so recht! aber keiner macht was! die Staatengemeinschaft muß handeln! sofort!

  • Eine vielleicht dumem Frage. Welche unwahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeiten müssten eintreten, damit sich aus der Kernschmelze eine Atombombe bilden kann und dann auch hochgeht? Oder geht das nabsolut nicht?

  • Noch etwas: Es wurde geäußert, dass Hiroshima ja mittlerweile bewohnbar sei und etwas radioaktive Verseuchung ja nicht so schlimm sein könne. Nun sind in Hiroshima sehr viele Leute an den direkten Folgen der Strahlung gestorben, das war aber vor allem Neutronen- und Gammastrahlung aus der Kernexplosion, die danach relativ schnell wieder verschwunden ist. Die Menge an spaltbaren Material war hingegen in Hiroshima ein vielfaches kleiner (mehrere Kilo gegenüber hunderter von Tonnen) - die Menge an Spaltmeterial beträgt ein Vielfaches der Menge in Tschernobyl - und der radioaktive Abfall zerfällt per Definition viel langsamer. Da starke Verstrahlungen auf Entfernungen von mehr als 30 Kilometer gemessen wurden, werden viele Gegenden in der Region auf lange Sicht unbewohnbar sein.

  • Eine so hohe Konzentration von Jod-134 läßt nicht nur darauf schließen, dass der Reaktorkern beschädigt ist, sondern dass - viel gefährlicher - noch eine Kettenreaktion läuft. Denn Jod-134 hat eine Halbwertszeit von nur 52 Minuten, seit der Abschaltung am 11. März sind über 336 Stunden, also 387 Halbwertszeiten vergangen, des damals vorhandene Jod 134 muss zu einem Verhältnis von 1 zu 10 hoch 119, also vollständig zerfallen sein.

    Sofern die Angabe stimmt, wäre eine plausible Erklärung, dass die Kettenreaktion weiter im beschädigten oder geschmolzenem Reaktorkern abläuft; Ähnlich wie das beim Tokaimura-Unfall passiert ist. Eine Kühlung wäre dann nicht nur ziemlich aussichtslos, sondern könnte diesen Prozeß sogar noch anheizen, da Wasser ja als Moderator wirkt,

  • Blins hoffe du schreibst gerade aus den meiler deine gequirlte wortwahl und loscht mit den eimer die kernschmelze ist was anderes wie spiegeleier braten.

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