Fukushima-Folgen

Japan rechnet mit Milliardenkosten

Die japanische Regierung geht davon aus, dass sich die Folgekosten der Atomkatastrophe von Fukushima vervielfachen werden. Bislang werden pro Jahr 700 Millionen Euro aufgewendet; künftig könnten es Milliarden sein.
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Um die Kosten zu tragen, wird eine Zerschlagung oder ein Verkauf von Tepco-Teilen erwogen. Quelle: dpa
Szenen nach dem Fukushima-Unglück

Um die Kosten zu tragen, wird eine Zerschlagung oder ein Verkauf von Tepco-Teilen erwogen.

(Foto: dpa)

TokioDie Folgekosten der Atomkatastrophe von Fukushima werden sich in den nächsten Jahren einer Regierungsprognose zufolge vervielfachen. Während derzeit rund 700 Millionen Euro pro Jahr dafür aufgewendet werden, würden die Kosten künftig auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr steigen, sagte Industrieminister Hiroshige Seko am Dienstag.

Die Zahlen hatte Seko für eine Kommission aufbereitet, den einen Finanzplan für den Fukushima-Betreiber Tepco aufstellen soll, der nach der Katastrophe im Jahr 2011 unter staatliche Kontrolle steht. Nicht eingerechnet sind demnach Kosten, die für die Bergung der geschmolzenen Brennstäbe anfallen werden. Damit soll 2018 oder 2019 begonnen werden.

Fukushima – fünf Jahre nach dem Inferno
Strahlung in Tomioka
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22 Impulse pro Minute (cpm) zeigt das Strahlenmessgerät in der japanischen Stadt Tomioka an – pro Minute treffen also 22 radioaktive Teilchen auf die Messeinheit des Geräts. Noch immer sind die Folgen der Atomkatastrophe in der Präfektur Fukushima zu spüren, auch in Tomioka. Die Stadt befindet sich innerhalb der 20 Kilometer breiten Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk, das 2011 nach einem Erdbeben von einem Tsunami getroffen wurde.

Verlassene Städte
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Die Einwohner von Tomioka wurden nach der Katastrophe, die die Region vor genau fünf Jahren erfasste, in die nahe gelegene Stadt Koriyama evakuiert. Noch immer haben die japanischen Behörden den Landstrich um Fukushima herum nicht für die endgültige Rückkehr der Einwohner freigegeben. Besucher können die verlassene Region aber inzwischen wieder für einen begrenzten Zeitraum betreten.

Ladenlokal in Tomioka
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Menschenleere Ladenlokale zeugen trotz offenbar vollen Warenbeständen vom Wegzug der Bewohner. Insgesamt kamen bei der Fukushima-Katastrophe vor fünf Jahren sieben Menschen in Tomioka ums Leben, zwölf weitere wurden noch Monate später vermisst.

Kaum Verkehr
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Die Ampeln, die in dieser Straße von Tamioka den Verkehr regeln sollten, scheinen heute überflüssig. Kaum ein Fahrzeug ist auf den Straßen zu sehen, die von zahlreichen Kabeln zur Stromversorgung überhangen sind.

Zerstörtes Haus
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Insgesamt waren 2011 rund 62.000 Menschen in einem Umkreis von 20 Kilometern um das havarierte Kraftwerk herum von der Evakuierung durch die Regierung betroffen. Heute können Besucher wieder bis auf 2,5 Kilometer an das AKW heranfahren.

Hoffnungsschimmer in Rikuzentakata
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Auch die Nachbarpräfektur Iwate wurde 2011 von dem Tsunami getroffen – mit am stärksten in der Stadt Rikuzentakata. Rund 80 Prozent des Stadtgebiets wurden damals überflutet, mehr als 5000 Haushalte waren davon betroffen. Heute allerdings gilt die Stadt als Hoffnungsschimmer.

Tsunami-Damm
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In einem Großprojekt stattet die Regierung die Küste der Stadt mit einem riesigen Tsunami-Schutzwall aus. Rund 12,5 Meter hoch soll er werden und so weitere Überflutungen verhindern. Eine Tsunami-Welle kann eine Größe von über 100 Metern haben – allerdings nur in sehr, sehr seltenen Fällen.

Um die Kosten zu tragen, wird in der Kommission sowohl eine Zerschlagung und Verkauf von Tepco-Teilen als auch ein Zusammenschluss mit anderen der insgesamt zehn AKW-Betreibern in Japan erwogen. Es gilt allerdings als sicher, dass diese sich wehren werden. Alle stehen unter Druck, da nach der Katastrophe von den 42 Reaktoren derzeit nur wieder in Betrieb sind. Zunächst hatte das Land geplant, ganz auf Atomenergie zu verzichten, davon aber wieder Abstand genommen.

Tepco hat mit dem Abriss und der Entsorgung der drei Reaktoren von Fukushima noch gar nicht begonnen. Die Firma kämpft weiter damit, den Abfluss von radioaktiv verseuchtem Wasser aus dem Komplex zu verhindern. Der Abriss wird schätzungsweise etwa 40 Jahre dauern.

Das Unternehmen selbst sagt, es könne keine Angaben zu den Gesamtkosten der jahrzehntelangen Altlasten machen. Die Kernschmelze der Reaktoren hat Wasser, Äcker, Wohngebiete und die Luft verseucht, so dass mehr als 160.000 Menschen die Region verlassen mussten.

  • rtr
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