Fukushima
Gespielte Normalität in der Strahlenhölle

Die japanische Regierung und Betreiber Tepco verbreiten gerne den Eindruck, sie hätten die Atomkatastrophe in Fukushima unter Kontrolle. Ein Besuch im AKW zeigt: Die Ruhe vor Ort ist trügerisch.
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FukushimaEs ist ein normaler Arbeitstag im Atomkraftwerk Fukushima 1. Die Ruinen der vier zerstörten Reaktoren stehen ruhig im Sonnenschein. Im explodierten Reaktor 4 kraxeln Arbeiter in Schutzanzügen in luftiger Höhe um das Abklingbecken für Brennstäbe herum. Vor dem Meiler räumt ein riesiger roter Greifarm Bruchstück für Bruchstück hochradioaktiven Schutts beiseite.

Dabei steht gleich daneben der zerfetzte Torso des Meilers 3, der so stark strahlt, dass auch fast ein Jahr nach der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe vom 11. März 2011 sich noch kein Arbeiter hinein wagen konnte. „Wir wissen noch immer nicht genau, wie hoch die Strahlung innen ist“, sagt Katsuhiko Iwaki, stellvertretender Leiter des „Stabilisierungszentrums im AKW Fukushima 1“ von Tokios Stromversorger Tepco.

Im AKW scheint das schaurige Bild von Reaktor 3 niemanden zu erschüttern. Stattdessen demonstriert ein Besuch des vielleicht gefährlichsten Arbeitsplatzes der Welt, wie routiniert die 3000 Arbeiter inzwischen mit der starken Strahlung umgehen.

Tepco und der Regierung ist dieses Bild der Normalität sehr recht. Sie beteuert seit langem, dass das AKW stabil sei. Viele Bürger und Experten im In- und Ausland glauben ihnen das nicht - zu lange haben Konzern und Apparat die Atomkatastrophe heruntergespielt. Nun soll eine Besuchstour für ausländische Journalisten - die erste seit dem Unfall - die Zweifel zerstreuen. Es wird ihr nicht gelingen.

Die Kleiderordnung ist streng. Statt eines Blaumanns ziehen sich die Arbeiter dünne, weiße Tyvek-Anzüge an. Eine Haube bedeckt den Kopf. Über ihre Hände streifen sie sich ein Paar Baumwollhandschuhe und darüber Latexhandschuhe. Die Schuhe werden mit zwei durchsichtigen Plastikbezügen umhüllt. Vervollständigt wird die Arbeitskleidung durch ein Dosimeter, einen Mundschutz für die Fahrt zum AKW und eine große Gesichtsmaske mit Filter für die Arbeit an der zwar frischen, aber verstrahlten Luft.

Kommentare zu " Fukushima: Gespielte Normalität in der Strahlenhölle"

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  • Das kommt dabei heraus, wenn Physiker glauben, Sie wären gleichzeitig auch begnadete Ärzte ;-)

    Akute Leukämie kann ganz plötzlich auftreten - gestern quietschfidel, heute ernsthaft krank mit richtig üblen Erscheinungen wie z.B. blauen Flecken am ganzen Körper. Akute Leukämie gehört unzweifelhaft zu den Symptomen der Strahlenkrankheit, Sie Wunderdoktor.

    Ihre Version haben Sie unreflektiert von Tepco übernommen, weil das Ihrer religiös anmutenden Überzeugung am Besten entspricht.

    Vermutlich sehen Sie dennoch keinerlei Veranlassung, Ihre stereotype und zynische Litanei, die Sie wie eine Monstranz vor sich her tragen, den Realitäten anzupassen.

  • Hallo Dschingis Khan, in Fukushima sind gem. der Tepco Meldungen 5 Arbeiter ums Leben gekommen. 2 sind in der Flutwelle in Fukushima Daiichi ertrunken, 2 sind während des Bebens im Verwaltungsgebäude von Fukushima Daiini von einem Aufzug erschlagen worden und 1 älterer Arbeiter ist an Ueberanstrengung gestorben.

    An Radioaktivität ist niemand gestorben und es ist aufgrund der sehr geringen Radioaktivität nicht anzunehmen das irgendjemand sterben wird.

    Die Leukämie hat eine Karenzzeit von 5-15 Jahren. Heutige Leukämieopfer müssen dann gem. oekoreligiöser Logik wohl bereits vor 5 Jahren von den dämonischen Atomstrahlen gewusst haben.

    Vielleicht sollten Sie ihre Phantasie ein wenig abkühlen.

    Vandale

  • Hallo Dschingis Khan. Falls Sie sich ein wenig näher mit der Thematik auseinandersetzen möchten...

    Als Alternative zur "Ungelösten Endlagerfrage" kann man abgebrannten Kernbrennstoff wieder nutzen. Dabei wird der abgebrannte Kernbrennstoff von den Spaltprodukten getrennt und etwa 4-5% Plutonium beigefügt. Derartige Brennelemente nennt man Mox Brennelemente.
    Bei einem Unfall, oder einer Kernschmelze werden in der Regel leichtflüchtige Nuklide, z.B. Jod131 (Siedepunkt ca. 180°C, Caesium 137 (Siedepunkt ca. 700°C) freigesetzt. Plutoniumoxid und Uranoxid haben Siedepunkte von fast 3000°C. Deshalb werden diese bei Unfällen nur in Spuren freigesetzt.

    Plutonium wird seitens der Oekologen gerne als Supergift vermarktet. Wenn man einen Blick in die Toxizität/Radiotoxizitäten wirft (Lethale Dosis 50% LD50 beim verspeisen einige Grammm, beim einatmen wesentlich weniger), so findet man viele radioaktive, sehr viele chemische und biologische Substanzen die weit gefährlicher sind als Plutoniumoxid.

    Neuer Brennstoff setzt fast keine Wärme frei. Deshalb ist dieser frische Brennstoff für sich keine Gefahr.

    Ich meine dass der ökologische Bericht den Sie wohl stolz repetiert haben eine Enttäuschung ausdrückt weil es die grosse religiös herbeigesehnte Atomkatastrophe wieder nicht gegeben hat (technisch auch nicht gibt), sondern lediglich einen teuren Industrieunfall.

    Vandale

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