Funktionäre unter Verdacht
Korruptionsskandal erschüttert China

Chinas Präsident Xi Jinping hat der Korruption in seinem Land den Kampf angesagt. Nun wurde das Vermögen eines mächtigen Funktionärs des Politbüros beschlagnahmt. Einige Beobachter halten das für politisches Kalkül.
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PekingChina wird vom vermutlich größten Korruptionsskandal seit mehr als 60 Jahren erschüttert. Die Behörden der Volksrepublik beschlagnahmten Insidern zufolge in einer großangelegten Aktion Besitztümer und Konten im Wert von mindestens 14,5 Milliarden Dollar (90 Milliarden Yuan). Betroffen waren Familienangehörige, Mitarbeiter und Weggefährten des ehemaligen Politbürofunktionärs Zhou Yongkang, gegen den die Ermittlungen in den letzten vier Monaten deutlich ausgeweitet wurden, wie zwei mit den Vorgängen vertraute Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag sagten. Mehr als 300 Personen seien in dieser Zeit festgenommen oder verhört worden.

Der 71-jährige Zhou ist seit der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1949 der ranghöchste Politiker, gegen den wegen Korruption ermittelt wird. Zhou war bis 2012 im Ständigen Komitee des Politbüros der Kommunistischen Partei für die Innere Sicherheit verantwortlich. Es ist das mächtigste Gremium in dem Land. Mit den Ermittlungen gegen ihn bricht die Führung mit dem ungeschriebenen Gesetz, dass ehemalige Mitglieder des Ausschusses von Ermittlungen verschont werden. „Es ist der hässlichste Skandal in der Geschichte des neuen Chinas“, sagte ein Insider mit Verbindungen zur Führungselite.

Zhou, seine Familie und Mitarbeiter waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Anti-Korruptionsbehörde und die Staatsanwaltschaft antworteten auf Anfragen nach einer Stellungnahme nicht.

Den Insidern zufolge froren die chinesischen Behörden Bankkonten über 37 Milliarden Yuan sowie ausländische Anleihen im Wert von 51 Milliarden Yuan ein. Zudem beschlagnahmten sie Wohnungen und Villen im Wert von 1,7 Milliarden Yuan, Antiquitäten und Gemälde von einer Milliarde Yuan sowie 60 Fahrzeuge. Mehr als zehn Verwandte von Zhou seien in Gewahrsam genommen worden. Darunter seien Zhous Ehefrau Jia Xiaoye, eine ehemalige Fernsehreporterin, sein ältester Sohn aus einer früheren Ehe und sein Bruder. Auch andere hochrangige Politiker seien in den Sog der Ermittlungen geraten, hieß es weiter.

Chinas Präsident Xi Jinping hat der Korruption in China den Kampf angesagt und dabei erklärt, er werde weder die hochrangigen „Tiger“ noch die kleinen „Fliegen“ verschonen. Einem weiteren Insider zufolge könnte hinter den Ermittlungen gegen Zhou auch politisches Kalkül stecken. Zhou habe sich geweigert, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Er sei Opfer eines Machtkampfes. Zhou hatte sich offenbar für den inzwischen wegen Korruption und Machtmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilten Bo Xilai als seinen Nachfolger eingesetzt. Insidern zufolge soll Xi dies verärgert haben. Die steile Karriere von Bo endete bereits 2012, als seine Frau Gu Kailai für den Mord an dem britischen Geschäftsmann und Freund der Familie Neil Heywood verurteilt wurde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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