Furcht vor Anschlägen
Iraker wählen unter Gewehrläufen

Zum ersten Mal seit dem Sturz von Saddam Hussein wählen die Iraker ein reguläres Parlament, doch ohne die drakonischen Sicherheitsvorkehrungen von einheimischen Polizisten und Soldaten und der US-geführten Truppen wäre der Urnengang nicht möglich. Bisher scheint die Strategie aufzugehen.

HB BAGDAD. Im Vorfeld der Wahl waren die Grenzen geschlossen und ein nächtliches Ausgehverbot verhängt worden, um Terroristen die Vorbereitung von Anschlägen zu erschweren. Vor den Wahllokalen waren bewaffnete Sicherheitskräfte postiert. Um Anschläge zu erschweren, mussten Wähler ihre Handys ablegen, Frauen durften ihre Taschen nicht mit hineinnehmen.

Bis zum Mittag wurden nur vereinzelte Angriffen von Terroristen und Aufständischen oder andere Zwischenfälle gemeldet. In der nordirakischen Stadt Mossul wurde ein Sicherheitsbeamter bei der Explosion eines Sprengsatzes vor einem Krankenhaus getötet. Im Bereich der schwer gesicherten Grünen Zone in der Hauptstadt Bagdad schlugen Mörsengranaten ein.

In Ramadi westlich von Bagdad öffneten zunächst noch nicht alle Stimmlokale, wie Abdul-Hussein Hendawi von der zentralen Wahlkommission mitteilte. Zur Begründung nannte er Sicherheitsbedenken. Ramadi gilt als Hochburg der sunnitischen Aufständischen.

Bei der ersten Wahl eines regulären Parlaments seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 sind rund 15 Millionen Iraker aufgerufen, über die Vergabe der 275 Mandate zu entscheiden. Als einer der ersten Wähler gab der irakische Präsident Dschalal Talabani seine Stimme ab. Der Kurde wählte in der nordirakischen Stadt Sulaimanija. Einige Wähler im Nordirak trugen traditionelle kurdische Kleidung, die sie sonst nur bei Hochzeiten oder anderen Festen anziehen.

Im Unterschied zur Wahl des derzeit noch amtierenden provisorischen Parlaments am 30. Januar, die von den Sunniten weitgehend boykottiert worden war, wird dieses Mal eine starke Beteiligung dieser Volksgruppe erwartet. Mehr als 1000 sunnitische Geistliche hatten zur Beteiligung an der Wahl aufgerufen, um den Sunniten eine stärkere Beteiligung an der Macht zu sichern. Die unter Saddam Hussein privilegierte Minderheit der Sunniten sieht sich im neuen Irak von den Schiiten majorisiert, die zusammen mit den Kurden die Regierung dominieren.

Zu Gute kommt den Sunniten, dass ihnen das neue Wahlrecht eine größere Vertretung im neuen Parlament als bisher sichert. Im Unterschied zur Wahl im Januar bildet jede der 18 Provinzen einen eigenen Wahlbezirk. Dort bemühen sich die Bewerber um 230 Parlamentsmandate, weitere 45 Sitze werden über Parteilisten verteilt. Ein Viertel der Mandate muss von Frauen besetzt werden. Das neue Parlament soll vier Jahre amtieren und eine neue Regierung sowie einen neuen Staatspräsidenten bestimmen. Um die Mandate bewarben sich gut 7700 Kandidaten. Die 6200 Wahllokale schließen um 15 Uhr deutscher Zeit. Ergebnisse werden erst in einigen Tagen erwartet.

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